Das Statement an den Grenzen des Dialogs

Wir sind offen, wir sind tolerant, wir können über alles reden. Und doch gibt es deutliche Grenzen des Dialogs in unserer Gesellschaft.

Ich bin ganz entschieden für Kommunikation, für das miteinander-reden. Und ich kann es nicht leiden, wenn wem der Mund verboten werden soll. Egal, ob er/sie Dutschke heißt oder Schwarzer, Pirnicci oder Matussek. Widersprechen darf und soll man – aber ausgrenzen und abschießen? Niemals! Ich habe die Intoleranz gegenüber anderen Meinungen in den Sozialen Medien thematisiert. Die Antworten waren ernüchternd: Prinzipiell waren nämlich immer die anderen schuld! Eher links stehende Freunde wiegelten jede Kritik mit dem Hinweis auf den Anstieg rechter Gewalt ab, die rechte Fraktion machte dasselbe in grün – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wer sich Kritik jedoch allein mit dem Hinweis darauf verbietet, dass andere „noch schlimmer“ seien, der ist vor allem eines: Schlimm.

Denn damit sind wir an den Grenzen des Dialogs angekommen. Wie will man mit jemandem diskutieren, für den sein Zweck alle Mittel heiligt? Der sich und sein Grüppchen als ewiges Opfer sieht und damit zum „zurückschlagen“ berechtigt? Man kann es nicht. Und man sollte es nicht.

Grenzen des Dialogs Wutbürger

Die Grenzen des Dialogs wie sie einem bei Facebook täglich begegnen. Name und Adresse wurden von mir entfernt. Der Verfasser dieses Aushangs scheint sich immerhin in Behandlung zu befinden.

Es wäre nämlich ganz einfach vergeudete Zeit. Es gibt dennoch ein Gegenmittel – und wie so oft findet man es im Evangelium: Bei sich selbst anfangen.

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. (Matthäus 7, 3-5)

Stellen Sie sich doch einmal vor, wenn das jeder beherzigen würde! Wie leer dann doch die Facebook-Timeline und die Talkshows wären – von den Boulevardblättern ganz zu schweigen. Parteien würden sich endlich ihrer eigenen Uneinigkeit und Eitelkeit stellen. Sachliche Arbeit und Fakten würden die Politik regieren. Persönliche Angriffe, hektische Überreaktionen und Geldverschleuderung wären ausradiert. Eva Herman würde noch die Nachrichten lesen, während ihr der alternde Rudi Dutschke im Kreis seiner Enkel dabei zusieht. Und Donald Trump wäre bereits vor einigen Jahren explodiert. Das Paradies! Daher der Appell: Halten Sie Ihr eigenes Haus rein und helfen Sie anderen. Das ewige herummäkeln bringt uns nicht weiter.

Ja aber, ich bin doch ein armes Opfer! Nicht wahr? Ja was ist denn nun, wenn plötzlich die ganze Welt gegen mich ist, mich hasst, mich verfolgt oder mir zumindest meine Existenzgrundlage unter den Füßen wegzieht, wenn ich als Publizist unangenehme Dinge anspreche? Was sagt die Bibel dann? Nun, dem ein oder anderen wird nicht entgangen sein, dass auch Jesus Christus selbst ein Opfer von übler Nachrede und Verrat war. Seine Existenzgrundlage endete am Kreuz. Die Passionsgeschichte ist darum das beste Beispiel, wie man sich auch in einem medialen Shitstorm verhalten sollte. Die folgende Bibelstelle hat mich in der Beziehung schon immer schwer beeindruckt:

„Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war.“ (Matthäus 27, 11-14)

Jesus gibt kein Statement ab, er ist ein Statement. In diesem Moment hat der Meister des Dialogs die Grenzen des Dialogs erreicht. „Du sagst es.“ Mehr gibt es nicht zu sagen. Ich kann darum allen Stalking-Opfern nur raten: „Bleib höflich und sag nichts, das ärgert sie am meisten.“ (Die Ärzte)

Nicht drauf eingehen. Wenn der Vorwurf falsch ist, einfach weiterarbeiten als sei nichts gewesen. Ich muss niemandem beweisen, dass ich kein Nazi bin. Oder kein Autonomer. Ich bin’s nicht und ich werd’s nie sein. Warum also verteidigen? Bringt nichts, nur heiße Luft. Und davon gibt es schon viel zu viel.

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Ein Mittel gegen Vulkane. In Ravensburg.

Hirse ist nahrhaft, lecker und gesund. Er ernährt sich von Hirse, seit er ein Zimmer in Ravensburg bewohnt.

Hirse isst er am Morgen, am Mittag am Abend. Er hat ein Bakterium entdeckt. Nicht in der Hirse, sondern im Studium, in dem er gut gewesen war, weswegen er auch weiß, dass ein Mensch allein von Hirse leben kann. Ein Jahr Hirse. Damit die Umschulung ihn wenig kostet. Die meisten Frauen glauben ihm nicht, dass er gelernter Diplom-Ökotrophologe ist. Die allermeisten von denen, die er anspricht, sind sogar überzeugt, dass es dieses Wort überhaupt nicht gibt und dass er es sich ausgedacht hat. Genauso wie all die anderen Männer die sie kennen sich ihre Berufe und Güter ausdenken. Diese Frauen irren und folgen ihm in sein Zimmer. Die weniger Verzweifelten wissen, was er studiert hat und sind bezaubert von dem schmierigen Lächeln das er trägt. Sie laden ihn ein. Die Klugen will er nicht. Die folgen ihm nicht und laden ihn nicht ein.

Vulkan in Ravensburg

Ein Mann – ein Vulkan!

Er spielt am Computer ein Spiel mit dem Cthulhu. Es ist mehr als ein Spiel für ihn und H.P. Lovecraft war ein Seher, sagt er. Wenn er nicht gerade umgeschult wird, sucht er Dimensionstore in Ravensburg. Tore, die ihn in die Hohlwelt führen, in die Vergangenheit, auf ferne Planeten zu grünhäutigen Frauen. Er sucht, wie er das Bakterium gesucht hat. Akribisch, wissenschaftlich, mit System. In der Bibliothek findet er Hinweise auf alte Höhlen unter der Stadt. Fluchttunnel und natürliche Hohlräume. Er geht in den Survival-Shop und kauft sich Fackeln. Er weiß, dass man nur Fackeln braucht um Höhlen zu erforschen. Er streift durch die Wälder mit seinen Fackeln, kriecht in Felsschlitze und Fuchshöhlen, kommt nicht weiter. Er spricht mit Ladenbesitzern in der Altstadt. Die lassen ihn in ihre Keller, wo er hockt mit seinen Fackeln und die Wände abklopft nach Geheimgängen und Hinweisen. Wie im Spiel mit dem Cthulhu am Computer. Aber die Hinweise aus der Bibliothek sind echt und die Einstein-Rosenberg-Brücke auch, ebenso wie Hawkins und die Risse im Raum-Zeit-Kontinuum. Dimensionstore. Es gibt sie. Er wird sie finden und hindurchgehen mit seinen Fackeln.

An den Abenden in der Bar mit den Telefonen auf den Tischen sagt er den Frauen, was sie hören wollen. Und weil sie sagen was er voraussieht, erkennt er seine Bestimmung. Er sagt, er kann Dämonen sehen in den Augen der Menschen. Viele sind besessen, mehr als wir ahnen. Er lernt, wie er sie austreiben kann. Er sagt, er will den Menschen helfen. Es gibt eine Frau, von der die Polizei sagt, dass er sich ihr nur noch auf 100 Meter nähern darf. Weil sie einmal in Flammen aufging, als er mit ihr sprach. Der Staat ist besessen. Er geht in eine Gruppe, weil da viele Frauen sind. Sie hören ihm zu und sind fasziniert von seinen großen Augen. Es ist ein Sport für ihn. Seine Freunde finden es peinlich, ihm ist es egal. Seine Freunde gucken Pornos – er nicht. Pornos sind dämonisch, sagt er. Im Chat hat er ein Mädchen aus der Schweiz kennengelernt. Sie ist ein schwarzer Grufti, dünn und kalkweiß. Er besucht sie und erklärt ihr die Welt. Danach trägt sie nur noch bunte Farben und hat bis zu ihrem sechzehnten Geburtstag Angst im Dunkeln.

Man müsste ihn einsperren, würde er sein Tagwerk nicht mit solchem Enthusiasmus und frohem Grinsen verrichten. Er ist kein armer Irrer, sondern gebildet und mit reichen Eltern gesegnet. Seine Umschulung zum Unternehmensberater schließt er wie alles andere in seinem Leben mit 1,0 ab. Er macht sich selbstständig und pendelt sich nach einem Jahr an jener Einkommensgrenze ein, an der er noch für sich selbst und nicht nur für den Staat arbeitet. Fährt er mit seinem BMW durch die Stadt, zählt er die Frauen am Straßenrand mit ihren Penny- und Alditüten. Er hatte sie alle, auch die hinkenden. Nun springt er Fallschirm, macht den Flug- und Segelschein und kauft sich ein Haus in der Altstadt. Mit Keller. Den Ort hat er sich gut ausgerechnet. Er war dafür in München, Stuttgart, Sankt Gallen und New York, hat in Bibliotheken recherchiert und mit Archivaren gesprochen. Sogar in Shanghai war er übers Wochenende bei einem Magier. Der Magier besaß einen Friseurladen mit vielen Frauen und altes Wissen über Ravensburg. Es besteht kein Zweifel mehr: Er kann den Schläfer wecken. Das Dimensionstor ist sein.

Im Keller schaufelt er jede Nacht an seinem Loch in die Hohlwelt. Er macht sich keine Illusionen. Das Dimensionstor wird nicht rund sein, nicht farbig und nicht wabern an den Rändern. Nicht so wie in dem Spiel im Computer. Es wird unbeschreiblich sein und wahrscheinlich sogar unsichtbar. Gut möglich, dass er stirbt, wenn er es durchschreitet mit seinen Fackeln. Ebenso möglich, dass er es gar nicht merkt. Dass er morgen durch ein Ravensburg geht, in dem grünhäutige Frauen mit Lidl-Tüten die Fußgängerzone bevölkern und alle das ganz normal finden. Er sehnt sich nach der Parallelwelt, in der das Seltsame normal ist und das Normale seltsam. In der Gruppe haben die Frauen Sterne in den Augen bekommen, wenn er ihnen von den kleinen Anomalien seines Alltags erzählt hat. Er macht sich Tee im Büro mit einem Gaskocher, den er nur locker in die Kartusche gerammt hat. Er hofft auf die Explosion, auf interessant unschöne Erfahrungen. Im Krankenhaus hat er seinem Zimmergenossen erzählt, er sei Akupunkteur und die Behauptung mit einem Dutzend Einwegspritzen bewiesen – nur um das Gesicht der Krankenschwester beim nächsten Besuch für immer memorieren zu können.

Nachts strebt er der Hohlwelt zu. Die innere Sonne der Erde will er sehen und die Stimme der Macht auf dem Wüstenplaneten erlernen. Alles, was er nicht mit 1,0 erreichen kann. Er will Schamane sein und Zauberer, überirdisch. Tagsüber berät er ein mittelständisches Unternehmen, verflacht die Hierarchien, führt Controlling ein, vereinfacht die Produktionswege. Er hofft auf die Explosion, die seinem Leben Erfüllung schenkt und die Frage nach dem „was dann?“ tötet. Esoteriker verstört seine Intelligenz. Zeugen Jehovas fürchten um ihre Keuschheit. Scientologen haben Angst vor ihm. Er liebt es, durch die Weltdeutungen zu streifen und sie zu verwerfen. Seine eigene Deutung hat er zuallererst verworfen, so verstörend war sie. Er hat nur noch Regeln. Blickkontakt, wegsehen, Blickkontakt, lächeln, schmierig grinsen, aufstehen, zu ihr gehen, Blickkontakt halten während sie wegsieht, ihren Blick packen und aufsaugen. Sieg.

Auf der anderen Seite der Welt steht ein Vulkan. Er explodierte, als sein Großvater noch nicht geboren war. Asche stieg auf von der Vulkaninsel Sumbawa bis in die höchsten Luftschichten und verdunkelte die Sonne über Ravensburg. Die Ernten fielen aus, Hunger griff um sich. Er wünscht sich das Jahr Achtzehnhundertunderfroren herbei, so nannten es die Menschen damals. Die Frauen würden zu ihm kommen, in sein Haus in der Altstadt mit Keller und er würde ihnen Hirse quellen, die Hirse preisen, Hirse in die Mägen füllen. Ihre Männer und Kinder dürften sie mitbringen, auch sie bekämen Hirse, dürften anschließend aber nicht zusehen. Das wäre ihm unangenehm. Er fragt sich, was die Menschen wohl damals dachten, als es ihnen die Ernte verhagelte. Sie wussten ja nichts vom Vulkan Tambora auf Sumbawa am anderen Ende der Welt.

Die einen werden Gott beschuldigt, die anderen den Fürsten verflucht haben. Theorien wurden aufgestellt und Opfer dargebracht. Die Klugen forschten nach Mitteln gegen den Hunger, erfanden den Dünger, das Fahrrad und das Cannstatter Volksfest. Nützliche Dinge – doch gegen Vulkane helfen sie nicht. Er sucht ein Mittel gegen Vulkane. Er sucht es, wenn er Unternehmen berät und wenn er gräbt in seinem Keller im Haus in der Altstadt. Er hat Fackeln dabei, damit er es erkennt, wenn es vor ihm liegt. Damit er es sieht, jenseits der Dimensionstore in, unter und rund um Ravensburg. Dass er es in den Frauen sucht, auch in den hinkenden, dass sein Großvater und sein Vater es fanden, dass er es nicht im Keller suchen muss, das Mittel – das weiß er nicht. Also gräbt er weiter.

Nach der Liebe.

Im PUR Magazin: Der Krieg der Meinungsblasen.

Im PUR Magazin: Der Krieg der Meinungsblasen

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt: Rechte Straftaten gegen Asylbewerberheime haben sich nach Angaben des Bundeskriminalamts im Vergleich zu 2014 verdreifacht. Liberale Journalisten erhalten Morddrohungen von Neonazi-Gruppierungen und im Januar wurde ein Brandanschlag auf das Auto des Politikers Hans Erxleben (DIE LINKE) verübt. Doch auch die Gewaltbereitschaft radikaler linker Gruppierungen und selbsternannter „Antifaschisten“ wächst. So wurden Brandanschläge auf das Auto der AfD-Vorsitzenden Beatrix Storch und auf die Geschäftsstelle der „Demo für alle“ verübt. Der konservative Blogger und Publizist Josef Bordat erhielt Morddrohungen und stellte aus Angst vor einem Brandanschlag auf sein dicht besiedeltes Wohnhaus seinen Blog vorübergehend ein.

Im aktuellen PUR Magazin erkläre ich im Interview, dass diese Entwicklung durch die Sozialen Medien entscheidend befeuert wird. Wir müssen wieder lernen, „Gefällt mir“ beim politischen Gegner zu klicken. Das auch darüber hinaus sehr lesenswerte Heft kann hier bestellt werden (klicken).

PUR Magazin Dezember 2015

Meine entscheidende These ist, dass sich die Mehrheit der Social-Media-Nutzer in ihrer eigenen Meinungsblase einigeln: Man liest nur, was man lesen will. Das führt zu einer sektiererischen Gruppenethik und zu einem sehr eingeschränkten Horizont. Für den wachen Menschen und insbesondere für den Christen muss gelten: „Klicken Sie auch ‚Gefällt mir!‘ beim politischen Gegner und lesen Sie auch die Meldungen von Organisationen, die Sie ablehnen!“ Das ist eine Haltung, die auch die Redaktion des PUR Magazins hat, weswegen ich dort gerne erscheine.

Da ich das schon seit Jahren praktiziere, konnte ich die aktuelle Radikalisierung aus erster Hand in verschiedenen politischen Lagern beobachten: Die eher links orientierte gesellschaftliche Mitte bis an den autonomen Rand fühlte sich von den „Rechten“ bedroht und die eher konservativ orientierte gesellschaftliche Mitte bis an den rechten Rand von den „Linken“. Beide hatten und haben nur sehr nebulöse Feindbilder, die sie mit „Neonazis“ oder „Neue Rechte“ auf der einen und „Autonome“, „Linksliberale“ oder „Terroristen“ auf der anderen Seite bezeichnen. Tritt ein Publizist auf, der die Mitte sucht, wird schnell ein Glaubensbekenntnis für die eine oder andere Seite von ihm verlangt. Verweigert er das, wird er bei nächster Gelegenheit aufgrund einer isolierten Aussage entweder als „Neuer Rechter“ oder als „Linksliberaler“ gebrandmarkt und hat fortan die Wahl, entweder nur noch in seiner neuen Schublade zu schreiben oder seine Existenz an den Nagel zu hängen.

Die Debatte ist der Inquisition gewichen.

Wer die Bekehrung verweigert, wird an den Pranger gestellt und zum Abschuss freigegeben. Die sozialen Medien haben unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu einer Art Stammesgesellschaft mit tausenden kleinen Splittergrüppchen zurückentwickelt, in der zunehmend Konformität und Akklamation zählen. Der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan hat das bereits in den 60er-Jahren prophezeit und heute ist es leider Realität. Hier sind Aufklärung, miteinander reden und Versöhnung gefragt!

Mehr dazu gibt’s diesmal nur direkt im PUR Magazin 😉

Sokrates, Jesus und Steve Jobs: Direkte Kommunikation in Vollendung.

Was haben Sokrates, Jesus Christus und Steve Jobs gemeinsam? Und zwar einmal ganz abgesehen von philosophischen, religiösen und unternehmerischen Fragen. Es ist die direkte Kommunikation und persönliche Lehre. Sie ist – neben Riesenhirn, Gottessohnschaft und schönem Design – der Kern ihres Erfolges.

Direkte Kommunikation kennt einen Meister: Jesus Christus.

Ein Denkmal für den Meister der direkten Kommunikation: Jesus-Statue auf dem Ölberg.

Der Meister des Dialogs …

Der älteste der drei ist Sokrates – 469 vor Christus geboren und der erste Philosoph, der die vorher recht abstrakten und jenseitigen Thesen der „Weisen“ auf diesseitige Beine gestellt hat. Das tat er in seinen berühmten „Dialogen“: Er zweifelte sicher geglaubte Wahrheiten an und brachte seine Gesprächspartner durch geschickte Fragen dazu, ihren Irrtum selbst zu erkennen. Sokrates war ein Lehrer, immer im Dialog mit seinen Mitmenschen, er suchte die direkte Kommunikation. Diese Methode war ihm so wichtig, dass er nichts niederschrieb – obwohl die Möglichkeit dazu damals schon bestanden hätte. Aber die schriftliche Lehre hätte seine Methode verfälscht. Erst sein Schüler Platon schrieb die Lehren des Sokrates nieder – mit seiner ganz eigenen Wertung, die wohl oft nicht im Sinne des großen Atheners gewesen wäre. (vgl. Karl Popper: „Die Feinde der offenen Gesellschaft“)

… der vierdimensionale Christus …

Doch auch ohne Wertungsfehler seitens Platons: Das Phänomen Sokrates funktioniert in Schriftform nicht. Wie sieht es bei Jesus Christus aus? Funktioniert das Evangelium auch nicht? Doch, aber nur weil es vier davon gibt! Auch Jesus Christus war ein Lehrer, der die Menschen direkt angesprochen hat. Er war ein Magnet für die Massen und es ist wohl das größte Wunder, dass er inmitten der Menschenmengen ohne Mikrofone überhaupt ausreichend verstanden wurde. Seine Art der Lehre war ähnlich wie die des Sokrates: Mit Beispielen und Bildern (Gleichnisse genannt) macht er den Menschen abstrakte Tatsachen anschaulich. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Jesus bezieht sich auf die schriftliche jüdische Überlieferung und bildet in seinen Aussagen eine klare Abgrenzung zur Schriftreligion: „Es steht geschrieben … ich aber sage Euch: …“ Das Geschriebene ist das Gesetz, das Jesus „nicht aufheben, sondern erfüllen“ will. Will heißen: Nur durch das Handeln und die direkte Kommunikation wird das geschriebene Wort wieder lebendig und damit zum „Logos“, zum Wort Gottes. So ist auch das Handeln Jesu nicht in einem, sondern in vier Büchern niedergeschrieben. Jedes Evangelium öffnet einen anderen Blickwinkel und macht Jesus damit insgesamt „vierdimensional“. Näher an der direkten Erfahrung des Lehrers konnte man mit den damaligen Mitteln nicht herankommen.

.. und die direkte Kommunikation heute!

Mit dem IPhone ginge das natürlich schon! Sokrates und Jesus hätten heutzutage darum die sozialen Medien und vor allem das Medium Video intensiv für ihre Botschaft genutzt: Denn über diese Kanäle kommt ihre Kernbotschaft rüber – die ganzheitliche Art der Lehre durch Sprache, Mimik, Gestik. Steve Jobs hat erkannt, dass der moderne Mensch viel eher den Leuten der Antike gleicht als seinen eigenen Großeltern aus den Zeiten der Industrialisierung: Statt durch Bücher lernen wir durch elektronische Medien und stehen schon seit Beginn des Fernsehens und erst recht seit dem Internet mit TED und Co. wieder in direktem Blickkontakt mit unseren Lehrern. Hand auf Herz: Wie viele von Ihnen haben sich kurze Erklär-Videos zur letzten Finanzkrise angeschaut? Und wie viele haben im Vergleich dazu eine wissenschaftliche Abhandlung gelesen? Unsere Welt wurde komplexer und das Lehren einfacher und gleichzeitig ganzheitlicher. All das ist im Apple-Universum in ansprechendem Design umgesetzt und Steve Jobs hat mit seinen Produktvorstellungs-Reden ähnliche Kommunikationsikonen geschaffen wie es die Bergpredigt oder das Symposion schon seit Jahrhunderten sind. Wohlgemerkt gilt das natürlich nur rein formal, vom Inhalt ist hier nicht die Rede.

Was lehrt uns also die Gemeinsamkeit von Sokrates, Jesus und Steve Jobs? Direkte Kommunikation funktioniert heute wie damals zunehmend direkt und ganzheitlich. Die „Zwischenhändler“ Buch und Zeitung sind großflächig ausgeschaltet, das Internet hat übernommen. Für uns bedeutet das: Anders kommunizieren! Direkter, herzlicher, ehrlicher, freundlicher. Das Gesetz nicht abschaffen, aber es mit Leben erfüllen. Direkte Kommunikation heißt die Herausforderung der Stunde.