Über Andre Stiefenhofer

Kreativ – schon immer.
Journalist – gelernt.
Christ – jo.
Das ist der Treibstoff dieser Seite.

Was Politiker von Populisten unterscheidet: Gute Rezepte!

Was Politiker von Populisten unterscheidet …

Als ich Hauke zum ersten Mal begegnete, wollte er unbedingt Jörg Haider die Hand schütteln. Dass ich ihn trotzdem auf Anhieb sympathisch fand, ist erstaunlich. Es mag an dem Grinsen liegen, das in seinem Gesicht geradezu eingemeißelt ist. Ist er fröhlich, strahlt er, als würde er gleich ein Imperium gründen. Ist Hauke wütend, sollten Imperien sich dagegen lieber in Acht nehmen, denn dann lächelt er wie eine fleischgewordene Guy-Fawkes-Maske. Eine Ironie der Geschichte, denn wenn Hauke etwas hasst auf dieser Welt, dann sind es Separatisten. Da kann er laut werden. Manch einem wird damals an Wiener Würstelständen ein junger grinsender Blondschopf aufgefallen sein, der Antifa-Mitglieder mit den Worten anherrschte: „Anarchisten und Separatisten – dafür habe ich kein Verständnis! Ah, eine Burenwurst, danke sehr, gute Frau.“

Als der unfreiwillige Mister Anonymous mir von seinen Jörg-Haider-Plänen erzählte, hatte er sein Imperiums-Grinsen aufgesetzt. Mir schwante Schlimmes für Österreich. Der Enthusiasmus, den Hauke versprüht, kann ein schwaches Menschenkind dazu bringen, alles Mögliche zu wählen. Zum Glück für das Land großer Töchtersöhnehundekatzen war sein Interesse am Kärntner Demagogen aber rein akademischer Natur. Für die Wissenschaft nimmt Hauke Opfer auf sich. Zum FPÖ-Parteitag nach Klagenfurt ist er mit dem Nachtzug und einer ausgewachsenen Grippe inklusive 40 Grad Fieber angereist. Haiders Bodyguards hätten ihn beinahe als biologische Waffe klassifiziert, was schade gewesen wäre, denn dann wäre uns das Kochbuch entgangen.

Haiders Kochbuch, kein Schmäh. Der Kärntner Führer ließ auf dem Klagenfurter Parteitag tatsächlich eine Anthologie seiner schmackhaftesten Rezepte verteilen. Auf den darin enthaltenen Fotos konnte man einen brutzelnden Haider mit Schürze bewundern, einen backenden Haider mit Teigrolle und einen familiären Haider mit Ehefrau. Hauke war begeistert. Vor allem die Seite mit den Kärntner Teigtaschen hatte es ihm angetan. Die waren mit Hackfleisch gefüllt und Haider hatte auf dem Bild zum Rezept einen Gatsch aus Blut und zerfetztem Fleisch an den Fingern hängen. „Darauf muss man als Politiker erst mal kommen“, frohlockte Hauke. Er machte sich ein Memo für die spätere Karriere und lud einige Versuchskaninchen in seine Wiener Studentenbude, um die Kärntner Teigtaschen nachzukochen.

An diesem Abend lernte ich, was Politiker von Populisten unterscheidet:

Der Populist zeigt dem Volk auf Hochglanzfotos strahlend die leckersten Gerichte und macht uns damit den Mund wässrig. Der ernsthafte Politiker dagegen erklärt einem, wie man die Gerichte zustande kriegt. Mit seinem Kochbuch bewies Haider, dass er ein Populist war: Die Mengenangaben waren grundfalsch, die Anleitung irreführend und so hielten wir nach zwei Stunden Gematsche, Geknete und Gekoche ungenießbare Mehlklumpen in den Händen, in die niemand so recht beißen wollte. Dass wir dadurch nicht allesamt politikverdrossen wurden, ist allein Hauke zu verdanken. In weiser Voraussicht hatte er ein Dutzend Literflaschen Grünen Veltliner gebunkert und die Kochzeremonie musikalisch mit britischen Märschen untermalt. Wer zu „Rule, Britannia“ weinselig Hackfleisch matschen darf, nimmt Populisten locker.

Was Politiker von Populisten unterscheidet: Gute Rezepte!

Besser als Populistenkochbücher: Ein Besuch im Biergarten!

Zurück zum Stamm: Was bedeutet Global Village?

Was bedeutet Global Village?

Den Begriff „Global Village“ (also „weltweites Dorf“) hat wohl jeder schon einmal gehört. Geprägt wurde der Ausdruck in den 1960er-Jahren vom kanadischen Medienforscher Marshall McLuhan und seitdem wird er gerne missverstanden. Die meisten übersetzen „Global Village“ mit „die Welt ist ein Dorf“ und denken an die wunderbare Utopie der segensreichen Globalisierung: Dank der modernen Transport- und Kommunikationsmittel kann jeder mit jedem kommunizieren und jeder jeden besuchen. Weltweit. Ein schöner Gedanke, aber das meint der Begriff leider nicht.

Was bedeutet „Global Village“ also wirklich?

Was bedeutet Global Village?

Zurück in den Stamm: Das „Global Village“ als Rückschritt in der Menschheitsgeschichte.

Marshall McLuhans Kernthese ist, dass Menschen und Gesellschaften durch Medien entscheidend geprägt werden. Er drückt das mit dem Schlagwort „The Medium is the message“ aus (mehr dazu hier!). Mit „Global Village“ bezeichnet er jene Gesellschaft, die durch die „elektronischen Medien“ Radio und Fernsehen geformt wird. Diese Formung besteht in starken „Retribalisierungstendenzen“ in der Gesellschaft, sprich: Der individualisierte Mensch der Moderne entwickelt sich durch die neuen Medien wieder zurück zum vorzeitlichen Stammesmenschen. Drei Hauptauswirkungen haben die „elektronischen Medien“ auf den Menschen:

1. Die für eine individualistische Gesellschaft grundlegende Trennung von „privat“ und „öffentlich“ löst sich auf. Es gibt keinen geschützten Bereich, der nicht in den gesellschaftlichen Diskurs gezerrt wird. Dadurch wird der Einzelne vor der Gesellschaft bloßgestellt und hat sich immer für alles dem Kollektiv zu verantworten.

2. Durch die ständige Öffentlichkeit aller Bereiche lösen sich wichtige menschliche Dimensionen auf. Am gravierendsten ist hier die fehlende Trennung von „Innen- und Außenwelt“. Der Mensch im „Global Village“ darf „innen“ nicht anders denken als er „außen“ handelt. Er muss vom Kollektiv immer ganzheitlich erfasst werden können. Das reduziert Innovationsbereitschaft und Abstraktionsvermögen und führt zu angepasstem Verhalten.

3. Die Gesellschaft lebt in einem Zustand der ständigen Informationsflut und des nie aufhörenden Schreckens. Was in einer prähistorischen Dorfgemeinschaft die Unwägsamkeiten von Natur und die reale Existenzbedrohung durch Hunger, Krankheit und wilde Tiere war, ist im „Global Village“ die ständige Bombardierung mit weltweiten Schreckensnachrichten. Und das nicht rational in Schriftform sondern emotional auf allen Informationskanälen.

Wie gesagt ist das eine Analyse der Gesellschaft im Fernsehzeitalter. In den sozialen Medien hat sich das nun noch einmal verschärft: Dort werden fast nur noch extreme Positionen bezogen und Beiträge sind nur relevant, wenn sie ausreichend „Akklamation“ („Likes“, „Retweets“ o.ä.) bekommen. Die Gesellschaftlichen Diskurse verlaufen in den sozialen Medien nicht länger rational sondern ausschließlich emotional und die Teilnehmer sind in starke Kollektive eingebunden. Eine Situation wie in einem vorsintflutlichen Dorfstamm.

Was bedeutet „Global Village“ also wirklich? Im Kern den Verlust der Vernunft und die Herrschaft der Emotion. Die Debatten in den sozialen Medien versteht nur, wer sie als das erkennt, was sie sind: Stammesstreitigkeiten unter rational beschränkten und emotional gesteuerten Dorfbewohnern.

Nun sollte, nachdem ich unsere Gesellschaft im Grunde als eine Bande von Dorftrotteln diffamiert habe, am Ende dieses Artikels zumindest auch noch eine Lösung stehen: Wie kann man diesen Trend ändern, die Debattenkultur retten? Da das Problem nach McLuhan in den formalen Eigenschaften der Medien steckt, kommt man da nur raus, indem man auf andere Medienformen ausweicht. Das ist z.B. der Grund, warum ich einen Blog schreibe und keine Videos aufnehme:

Dieser Text ist rational entwickelt und man könnte rational auf ihn antworten. Nur kann man den Stamm nicht so einfach dazu bekehren, diese ungewohnte Mühe auf sich zu nehmen. Die Lösung heißt Aufklärung und Erziehung: Versteht, dass die Medien Euch ändern! Nur wenn das bekannt wird, können wir wieder zu Vernunft kommen.

Fußnote: Was bedeutet Global Village? Wikipedia hat’s nicht so ganz kapiert … so viel zur „Schwarmintelligenz“ 😉

Medien formen Menschen: Muttersprache und Fremdsprachen.

Medien formen Menschen.

Wenn wir über Medien sprechen, meinen wir meist nur technische Vermittlungshilfen wie Zeitung, Fernsehen, Radio oder deren Mischformen im Internet. Das zielt zu kurz und verdeckt die wahre Wirkung von Medien. Denn wenn wir sie nur als reine Werkzeuge sehen, unterschätzen wir die guten alten Medien gewaltig.

Das Medium ist die Botschaft

Mit seinem Slogan „Das Medium ist die Botschaft“ behauptete der kanadische Medienwissenschaftler Marshall McLuhan, dass die genutzten Medien einer Gesellschaft diese Gesellschaft im Kern definieren. Ein Volk, das vor allem Zeitung liest, hat gemäß dieser Theorie ein völlig anderes Weltbild und eine komplett andere Abstraktionsfähigkeit als ein Volk, das sich vor allem durch den Fernseher informiert. Wer sich über die hysterischen Wutbürger in den sozialen Medien wundert, hat darum etwas Grundlegendes nicht verstanden: Medien formen Menschen – und nicht umgekehrt. Das Internet gebiert den anonymen Querulanten – und das liegt nicht am Nutzer, sondern an der Form des Mediums.

Medien formen Menschen - Zeitung, Buch oder Fernsehen?

Ein Volk, das vor allem Zeitung liest, hat ein völlig anderes Weltbild und eine andere Abstraktionsfähigkeit als ein Volk, das sich vor allem durch den Fernseher informiert.

Nach der Theorie McLuhans waren es ausschließlich Meilensteine in der Entwicklung der Kommunikationsmittel, die die menschliche Zivilisation im Lauf der Geschichte vorangetrieben haben: Das phonetische Alphabet, der Buchdruck, die elektronischen Medien – sie waren die Grundlagen und nicht die Ergebnisse der größten menschlichen Errungenschaften. Medien formen Menschen – das ist die erste Überraschung, die McLuhans Werk bereit hält.

Die zweite Überraschung ist die, dass er die Liste der Medien erheblich erweitert. So ist für ihn jede einzelne Sprache der Welt ein Medium, das unsere Wahrnehmung verändert. Die Schrift, selbst ein eigenes Medium, ist dabei sozusagen die „Hardware“, die Sprache die „Software“. Wer in einer fremden Sprache kommuniziert – und das wird jeder bestätigen, der einer Fremdsprache mächtig ist – gibt dadurch nicht nur Informationen an Menschen eines anderen Kulturkreises weiter, sondern wird durch die Benutzung der Sprache auch in diesen Kulturkreis mit hineingenommen.

Ein Beispiel: Wer wissenschaftliche Texte auf Englisch schreibt, wird dies in Form eines Essays tun und dabei sowohl Humor als auch Understatement einfließen lassen. In einem deutschsprachigen wissenschaftlichen Text dagegen staubt es regelrecht vor nüchterner Distanziertheit und es braucht beinahe Exegeten, um die komplizierten Schachtelsätze zu entwirren. Das Understatement wird einem im Englischen auch durch das egalitäre „you“ erleichtert. Es gibt kein förmliches „Sie“ und kein persönliches „Du“. Die Nähe ergibt sich ausschließlich aus dem Kontext.

Diese Beispiele bestätigen McLuhans These, dass das Medium „Sprache“ Völker formal trennt: „Eine Sprache ist die kodierte Form kollektiver Wahrnehmungen und der Weisheit vieler Menschen.“ Dabei geht es ihm weniger um die Hochsprache – gerade der „Slang“ und die Umgangssprache sind das Prägende. Sie sind schließlich der Prüfstein, an dem Muttersprachler einen Nicht-Muttersprachler erkennen. Sprache ist für McLuhan die Äußerung des Unterbewussten und macht die Beziehungen zwischen Sachverhalten für jeden Kulturkreis auf einzigartige Weise unterschiedlich deutlich. Wer das verstanden hat, wird sich nie mehr wundern, warum sich eine Kunstsprache wie „Esperanto“ nie durchsetzen konnte: Es fehlt die Unterfütterung durch die Kultur, es fehlt der Herzschlag der Poesie.

Das heißt auch: Was in Sprache A gedacht wurde, konnte genau so tatsächlich nur in Sprache A gedacht werden, denn sie war die unerlässliche „Software“ dafür. Sprache B kann den Gedanken zwar übersetzen und für ihren Kulturkreis anpassen. Ganz begreifen wird sie ihn vermutlich nie. Das ist auch der Grund, warum man Texte ab einem gewissen Abstraktionsgrad immer nur in der Originalsprache lesen sollte: Es geht nicht nur um Worte – es geht um Deutungszusammenhänge und die sind meist nicht zu übersetzen.

Das alles könnte man nun für die rein abstrakte Gedankenakrobatik eines Professors aus dem Elfenbeinturm halten, wäre da nicht die aktuelle Debatte um „Integration“ im Zuge der Flüchtlingskrise. Denn nach all diesen Überlegungen sind sofortige Deutschkurse für all jene, die bleiben wollen ein Muss. Medien formen Menschen – und die Sprache des Gastlandes zu kennen und zu benutzen ist daher viel unerlässlicher für die Integration als die Kenntnis des Grundgesetzes auf Arabisch. Das für Übersetzer und fremdsprachigen Buchdruck ausgegebene Geld sollte darum besser in Deutschlehrer und Unterrichtsmaterial investiert werden. Das ist das konkrete Fazit einer abstrakten Überlegung.

Die in diesem Text verwendeten Zitate Marshall McLuhans sind diesem Buch entnommen.

Die Macht des Wortes erkennen.

Die Macht des Wortes in einem Satz:

„Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Joh 1, 14)

Zu solchen Bibelstellen nicken Gläubige brav mit dem Kopf und Atheisten zucken gleichgültig mit den Schultern. Was soll das bitteschön heißen: „Das Wort ist Fleisch geworden“? Die Gläubigen sagen „na klar“, damit ist die Geburt Jesu gemeint. Aber das beantwortet die Frage nicht. Jesus ist doch kein Wort! Klarer wird die Sache, wenn man den griechischen Originaltext betrachtet. Dort steht statt „Wort“ „Logos“ und das meint die ordnende, „logische“ Schöpfungskraft, durch die alles entstanden ist. „Das Wort“ ist nach diesem Verständnis der sinn- und planvolle Urknallverursacher, eine archaische Kraft aus Urzeiten, zeitlos und übermenschlich. Dieses „Wort“ wird Mensch. Schwächer und sterblicher geht’s kaum.

Ist das Rätsel damit gelöst? Gott ist das „Logos“ und in Jesus Christus Mensch geworden? Sozusagen „fleischgewordene Kommunikation“, wie ich es in diesem früheren Text hier ausgeführt habe? Ja, das ist ein wichtiger Aspekt, aber es geht noch weiter. Denn der christliche Gott ist dreifaltig: Ein Gott in drei Personen. Und jetzt habe ich einmal eine Frage an die Frommen: War Gott immer schon dreifaltig oder ist er es erst geworden? Jesus Christus gibt’s immerhin erst seit Mariä Empfängnis und der Heilige Geist entstand erst zu Pfingsten durch „Ausgießung“. Also: War Gott immer schon dreifaltig oder hat er sich erst später gespalten? Die Antwort sollte nicht schwer fallen:

„Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.“ (Heb 13, 8)

Die Geburt Jesu Christi war eine Inkarnation, eine Fleischwerdung. Und das bedeutet, dass etwas bereits Vorhandenes in die Welt eintrat. Ebenso der Heilige Geist: Was „ausgegossen“ wird, muss bereits vorhanden sein. Gott streckt sich mit zwei seiner Personen in die Schöpfung hinein – ähnlich wie ein Mensch, der zwei seiner Arme unter Wasser taucht. Für viele Christen beginnt die Heilsgeschichte erst mit dem Evangelium. Sie vergessen dabei, dass es Gott und sein Wort schon immer gab und dass er gerade deshalb auch für Atheisten hochrelevant ist – ob sie es nun glauben oder nicht.

Macht des Wortes Wortmacht Machtwort

Die Macht des Wortes: Wortmacht oder Machtwort?

„Das Wort“ ist die Macht schlechthin, es hat die Welt erschaffen. Und das ist keine fromme Theorie, sondern empirisch nachprüfbar. Denn jeder Fortschritt in der menschlichen Kulturgeschichte fand entlang jener Innovationen statt, die „das Wort“ verstärkten, bündelten und auf eine neue Ebene hoben. Je perfekter die Möglichkeiten der menschlichen Kommunikation genutzt wurden, umso mehr Wohlstand herrschte. Einige historische Beispiele:

  • Die Erfindung der abstrakten Schriftzeichen des Alphabets läutete die Blütezeit der griechischen Philosophie ein. Der Mensch analysiert sich, erkennt sich, schafft die grundlegenden Begriffe der „Innenwelt“ und „Außenwelt“. Diese klaren Strukturen im Denken machen große Reiche wie das römische Imperium erst möglich, denn erst jetzt können effektive Verwaltung und Bürokratie entstehen.
  • Die Erfindung des Buchdrucks revolutioniert das Lernen: Lesen und Wissen sind von nun an nicht mehr nur einer Elite vorbehalten, die Bildung der Massen schreitet voran. Flugblätter und Bücher werden nicht mehr nur in den internationalen Gelehrtensprachen Latein und Griechisch veröffentlicht, sondern in den Landessprachen. Das erleichtert einerseits das „Lesen lernen“, andererseits entsteht dadurch auch ein zunehmendes National- und Gemeinschaftsbewusstsein.
  • Die elektronischen Medien Radio und Fernsehen entstehen erst, nachdem der Nationalstaat bereits seinen Zenit überschritten hat und zum Faschismus degenerierte. Sie machen die Kommunikation wieder ganzheitlicher erlebbar. Dem durch die Selbstanalyse inzwischen hochfragmentierten Menschen genügt es nicht mehr, Sachverhalte rational zu durchdringen. Er möchte Ereignisse auch emotional erfassen. Das „Infotainment“ in Fernsehen und Radio ist eine Erfüllung dieses Wunsches.
  • Mit dem Internet wird die redaktionelle Dienstleistung der Auswahl und Aufbereitung von Nachrichten automatisiert. Jeder ist nun gleichzeitig Sender und Empfänger. Was relevant ist, wird von Algorithmen ausgewählt und individuell auf den Nutzer zugeschnitten. Die Geschwindigkeit und Individualisierung von Kommunikation hat damit einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Wirtschaftliches Handeln wird zunehmend ins Internet verlagert.

Für all diese Innovationen gilt: Sie nutzen nur denen, die an ihnen teilhaben können oder wollen. Und immer besteht die Gefahr des Missbrauchs: Gesichtslose Bürokratie, kalter Materialismus, Faschismus, Datenklau und Big Brother – all das waren und sind böse Geister, die der Fortschritt mit sich brachte. Doch diese Ungeister haben in der Geschichte nicht gesiegt und werden auch in Zukunft nicht siegen. Denn die treibende Kraft in der Geschichte ist „das Wort“, das die Welt und die Menschheit immer mehr durchdringt. Ein Christ der im Vater Unser „Dein Reich komme“ sagt, aber das Internet und seine Folgeinnovationen ablehnt, hat darum etwas Grundlegendes nicht verstanden: Technologien sind keine Macht. Sie dienen der Macht des Wortes. Eine Macht, die in Armut und Elend in die Welt kam, um sie fundamental zu verändern:

„Ja, vergessen sind die früheren Nöte, sie sind meinen Augen entschwunden. Denn schon erschaffe ich einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ (Jes 65, 17)

Diese Zeilen entstanden etwa 700 Jahre vor der Geburt Jesu, mehr als 2700 Jahre vor dem Internet. „Macht“ heißt nicht „Revolution“ und plötzlicher Umsturz. Doch „das Wort“ gestaltet die Geschichte. Lassen wir es zu.

Das Statement an den Grenzen des Dialogs

Wir sind offen, wir sind tolerant, wir können über alles reden. Und doch gibt es deutliche Grenzen des Dialogs in unserer Gesellschaft.

Ich bin ganz entschieden für Kommunikation, für das miteinander-reden. Und ich kann es nicht leiden, wenn wem der Mund verboten werden soll. Egal, ob er/sie Dutschke heißt oder Schwarzer, Pirnicci oder Matussek. Widersprechen darf und soll man – aber ausgrenzen und abschießen? Niemals! Ich habe die Intoleranz gegenüber anderen Meinungen in den Sozialen Medien thematisiert. Die Antworten waren ernüchternd: Prinzipiell waren nämlich immer die anderen schuld! Eher links stehende Freunde wiegelten jede Kritik mit dem Hinweis auf den Anstieg rechter Gewalt ab, die rechte Fraktion machte dasselbe in grün – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wer sich Kritik jedoch allein mit dem Hinweis darauf verbietet, dass andere „noch schlimmer“ seien, der ist vor allem eines: Schlimm.

Denn damit sind wir an den Grenzen des Dialogs angekommen. Wie will man mit jemandem diskutieren, für den sein Zweck alle Mittel heiligt? Der sich und sein Grüppchen als ewiges Opfer sieht und damit zum „zurückschlagen“ berechtigt? Man kann es nicht. Und man sollte es nicht.

Grenzen des Dialogs Wutbürger

Die Grenzen des Dialogs wie sie einem bei Facebook täglich begegnen. Name und Adresse wurden von mir entfernt. Der Verfasser dieses Aushangs scheint sich immerhin in Behandlung zu befinden.

Es wäre nämlich ganz einfach vergeudete Zeit. Es gibt dennoch ein Gegenmittel – und wie so oft findet man es im Evangelium: Bei sich selbst anfangen.

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. (Matthäus 7, 3-5)

Stellen Sie sich doch einmal vor, wenn das jeder beherzigen würde! Wie leer dann doch die Facebook-Timeline und die Talkshows wären – von den Boulevardblättern ganz zu schweigen. Parteien würden sich endlich ihrer eigenen Uneinigkeit und Eitelkeit stellen. Sachliche Arbeit und Fakten würden die Politik regieren. Persönliche Angriffe, hektische Überreaktionen und Geldverschleuderung wären ausradiert. Eva Herman würde noch die Nachrichten lesen, während ihr der alternde Rudi Dutschke im Kreis seiner Enkel dabei zusieht. Und Donald Trump wäre bereits vor einigen Jahren explodiert. Das Paradies! Daher der Appell: Halten Sie Ihr eigenes Haus rein und helfen Sie anderen. Das ewige herummäkeln bringt uns nicht weiter.

Ja aber, ich bin doch ein armes Opfer! Nicht wahr? Ja was ist denn nun, wenn plötzlich die ganze Welt gegen mich ist, mich hasst, mich verfolgt oder mir zumindest meine Existenzgrundlage unter den Füßen wegzieht, wenn ich als Publizist unangenehme Dinge anspreche? Was sagt die Bibel dann? Nun, dem ein oder anderen wird nicht entgangen sein, dass auch Jesus Christus selbst ein Opfer von übler Nachrede und Verrat war. Seine Existenzgrundlage endete am Kreuz. Die Passionsgeschichte ist darum das beste Beispiel, wie man sich auch in einem medialen Shitstorm verhalten sollte. Die folgende Bibelstelle hat mich in der Beziehung schon immer schwer beeindruckt:

„Als Jesus vor dem Statthalter stand, fragte ihn dieser: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Du sagst es. Als aber die Hohenpriester und die Ältesten ihn anklagten, gab er keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? Er aber antwortete ihm auf keine einzige Frage, sodass der Statthalter sehr verwundert war.“ (Matthäus 27, 11-14)

Jesus gibt kein Statement ab, er ist ein Statement. In diesem Moment hat der Meister des Dialogs die Grenzen des Dialogs erreicht. „Du sagst es.“ Mehr gibt es nicht zu sagen. Ich kann darum allen Stalking-Opfern nur raten: „Bleib höflich und sag nichts, das ärgert sie am meisten.“ (Die Ärzte)

Nicht drauf eingehen. Wenn der Vorwurf falsch ist, einfach weiterarbeiten als sei nichts gewesen. Ich muss niemandem beweisen, dass ich kein Nazi bin. Oder kein Autonomer. Ich bin’s nicht und ich werd’s nie sein. Warum also verteidigen? Bringt nichts, nur heiße Luft. Und davon gibt es schon viel zu viel.

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Ein Mittel gegen Vulkane. In Ravensburg.

Hirse ist nahrhaft, lecker und gesund. Er ernährt sich von Hirse, seit er ein Zimmer in Ravensburg bewohnt.

Hirse isst er am Morgen, am Mittag am Abend. Er hat ein Bakterium entdeckt. Nicht in der Hirse, sondern im Studium, in dem er gut gewesen war, weswegen er auch weiß, dass ein Mensch allein von Hirse leben kann. Ein Jahr Hirse. Damit die Umschulung ihn wenig kostet. Die meisten Frauen glauben ihm nicht, dass er gelernter Diplom-Ökotrophologe ist. Die allermeisten von denen, die er anspricht, sind sogar überzeugt, dass es dieses Wort überhaupt nicht gibt und dass er es sich ausgedacht hat. Genauso wie all die anderen Männer die sie kennen sich ihre Berufe und Güter ausdenken. Diese Frauen irren und folgen ihm in sein Zimmer. Die weniger Verzweifelten wissen, was er studiert hat und sind bezaubert von dem schmierigen Lächeln das er trägt. Sie laden ihn ein. Die Klugen will er nicht. Die folgen ihm nicht und laden ihn nicht ein.

Vulkan in Ravensburg

Ein Mann – ein Vulkan!

Er spielt am Computer ein Spiel mit dem Cthulhu. Es ist mehr als ein Spiel für ihn und H.P. Lovecraft war ein Seher, sagt er. Wenn er nicht gerade umgeschult wird, sucht er Dimensionstore in Ravensburg. Tore, die ihn in die Hohlwelt führen, in die Vergangenheit, auf ferne Planeten zu grünhäutigen Frauen. Er sucht, wie er das Bakterium gesucht hat. Akribisch, wissenschaftlich, mit System. In der Bibliothek findet er Hinweise auf alte Höhlen unter der Stadt. Fluchttunnel und natürliche Hohlräume. Er geht in den Survival-Shop und kauft sich Fackeln. Er weiß, dass man nur Fackeln braucht um Höhlen zu erforschen. Er streift durch die Wälder mit seinen Fackeln, kriecht in Felsschlitze und Fuchshöhlen, kommt nicht weiter. Er spricht mit Ladenbesitzern in der Altstadt. Die lassen ihn in ihre Keller, wo er hockt mit seinen Fackeln und die Wände abklopft nach Geheimgängen und Hinweisen. Wie im Spiel mit dem Cthulhu am Computer. Aber die Hinweise aus der Bibliothek sind echt und die Einstein-Rosenberg-Brücke auch, ebenso wie Hawkins und die Risse im Raum-Zeit-Kontinuum. Dimensionstore. Es gibt sie. Er wird sie finden und hindurchgehen mit seinen Fackeln.

An den Abenden in der Bar mit den Telefonen auf den Tischen sagt er den Frauen, was sie hören wollen. Und weil sie sagen was er voraussieht, erkennt er seine Bestimmung. Er sagt, er kann Dämonen sehen in den Augen der Menschen. Viele sind besessen, mehr als wir ahnen. Er lernt, wie er sie austreiben kann. Er sagt, er will den Menschen helfen. Es gibt eine Frau, von der die Polizei sagt, dass er sich ihr nur noch auf 100 Meter nähern darf. Weil sie einmal in Flammen aufging, als er mit ihr sprach. Der Staat ist besessen. Er geht in eine Gruppe, weil da viele Frauen sind. Sie hören ihm zu und sind fasziniert von seinen großen Augen. Es ist ein Sport für ihn. Seine Freunde finden es peinlich, ihm ist es egal. Seine Freunde gucken Pornos – er nicht. Pornos sind dämonisch, sagt er. Im Chat hat er ein Mädchen aus der Schweiz kennengelernt. Sie ist ein schwarzer Grufti, dünn und kalkweiß. Er besucht sie und erklärt ihr die Welt. Danach trägt sie nur noch bunte Farben und hat bis zu ihrem sechzehnten Geburtstag Angst im Dunkeln.

Man müsste ihn einsperren, würde er sein Tagwerk nicht mit solchem Enthusiasmus und frohem Grinsen verrichten. Er ist kein armer Irrer, sondern gebildet und mit reichen Eltern gesegnet. Seine Umschulung zum Unternehmensberater schließt er wie alles andere in seinem Leben mit 1,0 ab. Er macht sich selbstständig und pendelt sich nach einem Jahr an jener Einkommensgrenze ein, an der er noch für sich selbst und nicht nur für den Staat arbeitet. Fährt er mit seinem BMW durch die Stadt, zählt er die Frauen am Straßenrand mit ihren Penny- und Alditüten. Er hatte sie alle, auch die hinkenden. Nun springt er Fallschirm, macht den Flug- und Segelschein und kauft sich ein Haus in der Altstadt. Mit Keller. Den Ort hat er sich gut ausgerechnet. Er war dafür in München, Stuttgart, Sankt Gallen und New York, hat in Bibliotheken recherchiert und mit Archivaren gesprochen. Sogar in Shanghai war er übers Wochenende bei einem Magier. Der Magier besaß einen Friseurladen mit vielen Frauen und altes Wissen über Ravensburg. Es besteht kein Zweifel mehr: Er kann den Schläfer wecken. Das Dimensionstor ist sein.

Im Keller schaufelt er jede Nacht an seinem Loch in die Hohlwelt. Er macht sich keine Illusionen. Das Dimensionstor wird nicht rund sein, nicht farbig und nicht wabern an den Rändern. Nicht so wie in dem Spiel im Computer. Es wird unbeschreiblich sein und wahrscheinlich sogar unsichtbar. Gut möglich, dass er stirbt, wenn er es durchschreitet mit seinen Fackeln. Ebenso möglich, dass er es gar nicht merkt. Dass er morgen durch ein Ravensburg geht, in dem grünhäutige Frauen mit Lidl-Tüten die Fußgängerzone bevölkern und alle das ganz normal finden. Er sehnt sich nach der Parallelwelt, in der das Seltsame normal ist und das Normale seltsam. In der Gruppe haben die Frauen Sterne in den Augen bekommen, wenn er ihnen von den kleinen Anomalien seines Alltags erzählt hat. Er macht sich Tee im Büro mit einem Gaskocher, den er nur locker in die Kartusche gerammt hat. Er hofft auf die Explosion, auf interessant unschöne Erfahrungen. Im Krankenhaus hat er seinem Zimmergenossen erzählt, er sei Akupunkteur und die Behauptung mit einem Dutzend Einwegspritzen bewiesen – nur um das Gesicht der Krankenschwester beim nächsten Besuch für immer memorieren zu können.

Nachts strebt er der Hohlwelt zu. Die innere Sonne der Erde will er sehen und die Stimme der Macht auf dem Wüstenplaneten erlernen. Alles, was er nicht mit 1,0 erreichen kann. Er will Schamane sein und Zauberer, überirdisch. Tagsüber berät er ein mittelständisches Unternehmen, verflacht die Hierarchien, führt Controlling ein, vereinfacht die Produktionswege. Er hofft auf die Explosion, die seinem Leben Erfüllung schenkt und die Frage nach dem „was dann?“ tötet. Esoteriker verstört seine Intelligenz. Zeugen Jehovas fürchten um ihre Keuschheit. Scientologen haben Angst vor ihm. Er liebt es, durch die Weltdeutungen zu streifen und sie zu verwerfen. Seine eigene Deutung hat er zuallererst verworfen, so verstörend war sie. Er hat nur noch Regeln. Blickkontakt, wegsehen, Blickkontakt, lächeln, schmierig grinsen, aufstehen, zu ihr gehen, Blickkontakt halten während sie wegsieht, ihren Blick packen und aufsaugen. Sieg.

Auf der anderen Seite der Welt steht ein Vulkan. Er explodierte, als sein Großvater noch nicht geboren war. Asche stieg auf von der Vulkaninsel Sumbawa bis in die höchsten Luftschichten und verdunkelte die Sonne über Ravensburg. Die Ernten fielen aus, Hunger griff um sich. Er wünscht sich das Jahr Achtzehnhundertunderfroren herbei, so nannten es die Menschen damals. Die Frauen würden zu ihm kommen, in sein Haus in der Altstadt mit Keller und er würde ihnen Hirse quellen, die Hirse preisen, Hirse in die Mägen füllen. Ihre Männer und Kinder dürften sie mitbringen, auch sie bekämen Hirse, dürften anschließend aber nicht zusehen. Das wäre ihm unangenehm. Er fragt sich, was die Menschen wohl damals dachten, als es ihnen die Ernte verhagelte. Sie wussten ja nichts vom Vulkan Tambora auf Sumbawa am anderen Ende der Welt.

Die einen werden Gott beschuldigt, die anderen den Fürsten verflucht haben. Theorien wurden aufgestellt und Opfer dargebracht. Die Klugen forschten nach Mitteln gegen den Hunger, erfanden den Dünger, das Fahrrad und das Cannstatter Volksfest. Nützliche Dinge – doch gegen Vulkane helfen sie nicht. Er sucht ein Mittel gegen Vulkane. Er sucht es, wenn er Unternehmen berät und wenn er gräbt in seinem Keller im Haus in der Altstadt. Er hat Fackeln dabei, damit er es erkennt, wenn es vor ihm liegt. Damit er es sieht, jenseits der Dimensionstore in, unter und rund um Ravensburg. Dass er es in den Frauen sucht, auch in den hinkenden, dass sein Großvater und sein Vater es fanden, dass er es nicht im Keller suchen muss, das Mittel – das weiß er nicht. Also gräbt er weiter.

Nach der Liebe.

Im PUR Magazin: Der Krieg der Meinungsblasen.

Im PUR Magazin: Der Krieg der Meinungsblasen

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt: Rechte Straftaten gegen Asylbewerberheime haben sich nach Angaben des Bundeskriminalamts im Vergleich zu 2014 verdreifacht. Liberale Journalisten erhalten Morddrohungen von Neonazi-Gruppierungen und im Januar wurde ein Brandanschlag auf das Auto des Politikers Hans Erxleben (DIE LINKE) verübt. Doch auch die Gewaltbereitschaft radikaler linker Gruppierungen und selbsternannter „Antifaschisten“ wächst. So wurden Brandanschläge auf das Auto der AfD-Vorsitzenden Beatrix Storch und auf die Geschäftsstelle der „Demo für alle“ verübt. Der konservative Blogger und Publizist Josef Bordat erhielt Morddrohungen und stellte aus Angst vor einem Brandanschlag auf sein dicht besiedeltes Wohnhaus seinen Blog vorübergehend ein.

Im aktuellen PUR Magazin erkläre ich im Interview, dass diese Entwicklung durch die Sozialen Medien entscheidend befeuert wird. Wir müssen wieder lernen, „Gefällt mir“ beim politischen Gegner zu klicken. Das auch darüber hinaus sehr lesenswerte Heft kann hier bestellt werden (klicken).

PUR Magazin Dezember 2015

Meine entscheidende These ist, dass sich die Mehrheit der Social-Media-Nutzer in ihrer eigenen Meinungsblase einigeln: Man liest nur, was man lesen will. Das führt zu einer sektiererischen Gruppenethik und zu einem sehr eingeschränkten Horizont. Für den wachen Menschen und insbesondere für den Christen muss gelten: „Klicken Sie auch ‚Gefällt mir!‘ beim politischen Gegner und lesen Sie auch die Meldungen von Organisationen, die Sie ablehnen!“ Das ist eine Haltung, die auch die Redaktion des PUR Magazins hat, weswegen ich dort gerne erscheine.

Da ich das schon seit Jahren praktiziere, konnte ich die aktuelle Radikalisierung aus erster Hand in verschiedenen politischen Lagern beobachten: Die eher links orientierte gesellschaftliche Mitte bis an den autonomen Rand fühlte sich von den „Rechten“ bedroht und die eher konservativ orientierte gesellschaftliche Mitte bis an den rechten Rand von den „Linken“. Beide hatten und haben nur sehr nebulöse Feindbilder, die sie mit „Neonazis“ oder „Neue Rechte“ auf der einen und „Autonome“, „Linksliberale“ oder „Terroristen“ auf der anderen Seite bezeichnen. Tritt ein Publizist auf, der die Mitte sucht, wird schnell ein Glaubensbekenntnis für die eine oder andere Seite von ihm verlangt. Verweigert er das, wird er bei nächster Gelegenheit aufgrund einer isolierten Aussage entweder als „Neuer Rechter“ oder als „Linksliberaler“ gebrandmarkt und hat fortan die Wahl, entweder nur noch in seiner neuen Schublade zu schreiben oder seine Existenz an den Nagel zu hängen.

Die Debatte ist der Inquisition gewichen.

Wer die Bekehrung verweigert, wird an den Pranger gestellt und zum Abschuss freigegeben. Die sozialen Medien haben unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu einer Art Stammesgesellschaft mit tausenden kleinen Splittergrüppchen zurückentwickelt, in der zunehmend Konformität und Akklamation zählen. Der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan hat das bereits in den 60er-Jahren prophezeit und heute ist es leider Realität. Hier sind Aufklärung, miteinander reden und Versöhnung gefragt!

Mehr dazu gibt’s diesmal nur direkt im PUR Magazin 😉

Sokrates, Jesus und Steve Jobs: Direkte Kommunikation in Vollendung.

Was haben Sokrates, Jesus Christus und Steve Jobs gemeinsam? Und zwar einmal ganz abgesehen von philosophischen, religiösen und unternehmerischen Fragen. Es ist die direkte Kommunikation und persönliche Lehre. Sie ist – neben Riesenhirn, Gottessohnschaft und schönem Design – der Kern ihres Erfolges.

Direkte Kommunikation kennt einen Meister: Jesus Christus.

Ein Denkmal für den Meister der direkten Kommunikation: Jesus-Statue auf dem Ölberg.

Der Meister des Dialogs …

Der älteste der drei ist Sokrates – 469 vor Christus geboren und der erste Philosoph, der die vorher recht abstrakten und jenseitigen Thesen der „Weisen“ auf diesseitige Beine gestellt hat. Das tat er in seinen berühmten „Dialogen“: Er zweifelte sicher geglaubte Wahrheiten an und brachte seine Gesprächspartner durch geschickte Fragen dazu, ihren Irrtum selbst zu erkennen. Sokrates war ein Lehrer, immer im Dialog mit seinen Mitmenschen, er suchte die direkte Kommunikation. Diese Methode war ihm so wichtig, dass er nichts niederschrieb – obwohl die Möglichkeit dazu damals schon bestanden hätte. Aber die schriftliche Lehre hätte seine Methode verfälscht. Erst sein Schüler Platon schrieb die Lehren des Sokrates nieder – mit seiner ganz eigenen Wertung, die wohl oft nicht im Sinne des großen Atheners gewesen wäre. (vgl. Karl Popper: „Die Feinde der offenen Gesellschaft“)

… der vierdimensionale Christus …

Doch auch ohne Wertungsfehler seitens Platons: Das Phänomen Sokrates funktioniert in Schriftform nicht. Wie sieht es bei Jesus Christus aus? Funktioniert das Evangelium auch nicht? Doch, aber nur weil es vier davon gibt! Auch Jesus Christus war ein Lehrer, der die Menschen direkt angesprochen hat. Er war ein Magnet für die Massen und es ist wohl das größte Wunder, dass er inmitten der Menschenmengen ohne Mikrofone überhaupt ausreichend verstanden wurde. Seine Art der Lehre war ähnlich wie die des Sokrates: Mit Beispielen und Bildern (Gleichnisse genannt) macht er den Menschen abstrakte Tatsachen anschaulich. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Jesus bezieht sich auf die schriftliche jüdische Überlieferung und bildet in seinen Aussagen eine klare Abgrenzung zur Schriftreligion: „Es steht geschrieben … ich aber sage Euch: …“ Das Geschriebene ist das Gesetz, das Jesus „nicht aufheben, sondern erfüllen“ will. Will heißen: Nur durch das Handeln und die direkte Kommunikation wird das geschriebene Wort wieder lebendig und damit zum „Logos“, zum Wort Gottes. So ist auch das Handeln Jesu nicht in einem, sondern in vier Büchern niedergeschrieben. Jedes Evangelium öffnet einen anderen Blickwinkel und macht Jesus damit insgesamt „vierdimensional“. Näher an der direkten Erfahrung des Lehrers konnte man mit den damaligen Mitteln nicht herankommen.

.. und die direkte Kommunikation heute!

Mit dem IPhone ginge das natürlich schon! Sokrates und Jesus hätten heutzutage darum die sozialen Medien und vor allem das Medium Video intensiv für ihre Botschaft genutzt: Denn über diese Kanäle kommt ihre Kernbotschaft rüber – die ganzheitliche Art der Lehre durch Sprache, Mimik, Gestik. Steve Jobs hat erkannt, dass der moderne Mensch viel eher den Leuten der Antike gleicht als seinen eigenen Großeltern aus den Zeiten der Industrialisierung: Statt durch Bücher lernen wir durch elektronische Medien und stehen schon seit Beginn des Fernsehens und erst recht seit dem Internet mit TED und Co. wieder in direktem Blickkontakt mit unseren Lehrern. Hand auf Herz: Wie viele von Ihnen haben sich kurze Erklär-Videos zur letzten Finanzkrise angeschaut? Und wie viele haben im Vergleich dazu eine wissenschaftliche Abhandlung gelesen? Unsere Welt wurde komplexer und das Lehren einfacher und gleichzeitig ganzheitlicher. All das ist im Apple-Universum in ansprechendem Design umgesetzt und Steve Jobs hat mit seinen Produktvorstellungs-Reden ähnliche Kommunikationsikonen geschaffen wie es die Bergpredigt oder das Symposion schon seit Jahrhunderten sind. Wohlgemerkt gilt das natürlich nur rein formal, vom Inhalt ist hier nicht die Rede.

Was lehrt uns also die Gemeinsamkeit von Sokrates, Jesus und Steve Jobs? Direkte Kommunikation funktioniert heute wie damals zunehmend direkt und ganzheitlich. Die „Zwischenhändler“ Buch und Zeitung sind großflächig ausgeschaltet, das Internet hat übernommen. Für uns bedeutet das: Anders kommunizieren! Direkter, herzlicher, ehrlicher, freundlicher. Das Gesetz nicht abschaffen, aber es mit Leben erfüllen. Direkte Kommunikation heißt die Herausforderung der Stunde.

Miss Verständnis und Konsorten: Kommunikationsfallen im Alltag

Kommunikationsfallen im Alltag

Neulich auf dem John-F-Kennedy-Flughafen in New York: Ein mit allerlei Lametta behangener Einwanderungspolizist befragt eine nervöse deutsche Seniorin. „What’s your name?“ Die Dame versteht die Sprache nicht, fixiert den gewaltigen Revolver des Beamten und murmelt: „Das ist ein Missverständnis!“ Der Ami runzelt die Stirn und fragt: „What? Miss Whereshdandnis? Your passport says your name is Meier!“

Missverständnisse vermeiden - Kommunikationsfallen im Alltag erkennen

Was wie ein mühsam herbeikonstruierter Witz klingt, ist leider Alltag. Wir verstehen uns nicht – selbst wenn wir eigentlich dieselbe Sprache sprechen. Es ist der Normalfall, dass Kommunikation misslingt. Die meisten Konflikte im privaten und geschäftlichen Alltag fußen nicht auf Unfähigkeit, sondern auf Missverständnissen. Die drei größten Kommunikationsfallen im Alltag sind:

1. Die Negationsfalle:

Wer etwas erklärt, fängt meist damit an, wie es nicht sein soll. Nun ist unser Gehirn aber leider positiver eingestellt als es uns lieb sein kann und überhört gerne das kleine Wörtchen „nicht“. Das Ergebnis: Eine Fehlschaltung, die dazu führt, dass wir uns genau das Gegenteil des gemeinten merken. Zum Beispiel: Wenn Sie zu Beginn Ihres Vortrags 100 Leuten sagen „Das Auto war nicht grün, sondern gelb!“ und Sie fragen hinterher nach der Farbe des Wagens, werden die meisten sagen: „Grün“. Darum: Nicht „nein“ sagen, sondern „ja“!

2. Die Hinführungsfalle.

Diese Kommunikationsfalle im Alltag ist eng mit der Negationsfalle verwandt, kommt aber ganz ohne das Wörtchen „Nein“ aus. Unser Gehirn ist darauf getrimmt, dass das Wichtigste zuerst kommt. Das stammt noch aus unserer Zeit in der Wildnis: Was zuerst aus dem Busch springt ist die größte Bedrohung. Dennoch neigen wir dazu, auf unsere Aussagen hinzuführen, einzuleiten, Spannung aufzubauen. Doch was ein gutes Buch auszeichnet, geht in der alltäglichen Kommunikation meist schief. Beispiel: In einem Vortrag sagte ich: „Viele sehen die Medien als reine Werkzeuge. Aber entscheidender ist, dass sie unsere Wahrnehmung der Welt verändern.“ Ein Journalist machte daraus im Artikel: „Nach Herrn Stiefenhofers Ansicht sind Medien reine Werkzeuge.“ Seitdem erkläre ich die Sache umgekehrt: Zuerst meine Hauptaussage und dann der falsche Common Sense. So ist es leichter verständlich.

3. Die Vorurteilsfalle:

In der alltäglichen Kommunikation haben wir es immer mit Leuten zu tun, die sich für ziemlich schlau halten. Jeder hat zu jedem Thema immer eine Meinung, eine Ansicht, ein Vorurteil. Und dieses Vorurteil ist der entscheidende Filter, durch den ich mit meiner Aussage erst einmal dringen muss. Oft geht das nicht ohne Streuverluste. Beispiel: Wenn ich einem Eichhörnchen-Hasser die biologische Nützlichkeit der Tierchen erkläre, werde ich bestenfalls ein „die Mistviecher sind also nicht NUR grässlich“ ernten. Bei einem Tierfreund dagegen renne ich offene Türen ein. Es ist also wichtig, die Stärke der Vorurteilsmauern meines Gegenübers zu erkennen. Daran muss ich die Stärke meiner „Kommunikationskanonen“ ausrichten und werde im schlimmsten Fall dennoch missverstanden.

Daher: Formulieren Sie einfach, schlicht und kurz. So vermeiden Sie Kommunikationsfallen im Alltag!