Kommunikation für Christen: Biblische Grundlagen.

Kommunikation für Christen: Kenne die biblischen Grundlagen

Journalisten sind kritische Zeitgenossen und tun sich deshalb meist eher schwer mit Religion und Glauben. Selbst katholische Publizisten haben vor einiger Zeit in einer Umfrage erklärt, nicht ihren Glauben verkünden, sondern lediglich nüchtern berichten zu wollen. Da frage ich nach: Wenn Du nicht schreibst, was Du glaubst, was schreibst Du dann? Ich sage: Kommunikationswissenschaft sollte für Christen eigentlich die Königsdisziplin sein – mindestens gleichauf mit der Theologie. Die Bibel gehört kommunikationswissenschaftlich betrachtet, damit man die Grundlagen seines Tuns versteht. Los geht es mit dem Anfang des Johannes-Evangeliums:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.  In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.

(Johannes 1, 1-2)

Kommunikation für Christen - Gott ist Kommunikation

Gott ist Kommunikation

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Kommunikation stand am Anfang der Schöpfung. Gott kommunizierte, ja: Er war Kommunikation. Was das bedeutet, ist vielschichtig:

Zum einen ist das ein Hinweis auf die Dreifaltigkeit Gottes. Dreifaltig, das bedeutet, dass Gott sich in sich selbst genug ist. Er braucht keine Menschen und keine Schöpfung und er braucht sie deshalb nicht, weil er aus einem in sich geschlossenen Kommunikationskreislauf besteht. „Vater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“ – drei inhaltsreiche theologische Begriffe, die an dieser Stelle der Einfachheit halber nur für drei „personalisierte Eigenschaften“ Gottes stehen sollen – sind in erfüllter Kommunikation versunken und existieren ohne Not und Mangel. Deshalb kann man sagen: Gott ist Kommunikation. Nicht ausschließlich natürlich, aber es ist ein wichtiger Aspekt.

Von diesem Grundsatz erzählen die ersten beiden Sätze des Johannes-Evangeliums. Im dritten Satz wird die Schöpfung erzählt: Alles wird geschaffen, wodurch? Wieder durch „das Wort“, die Kommunikation! Diesmal durch die aus der göttlichen Sphäre ausströmende Kommunikation. Wissenschaftlich formuliert hat Gott also einen rein intrinsischen Vorgang externalisiert. Das war neu, kreativ und innovativ. Geschaffen wurde dadurch nicht nur ein Kommunikationsstrom vom Schöpfer aus, sondern alles, was nicht direkt Gott ist: Zeit, Raum, Materie, Leben. Der Moment, in dem Gott die Kommunikation nach außen wandte, war der christliche Urknall.

Hätten wir also Gott und die Schöpfung in vier Sätzen erklärt bekommen. Doch Moment, da steht: „Das Wort war Gott“. Ist Gott also ausschließlich Kommunikation, etwas Unpersönliches? Nein, denn „das Wort“ im griechischen Original heißt „Logos“. Und das bedeutet nicht nur „Wort“, sondern auch „Sinn“ und wurde oft als Synonym für „Gott“ verwendet. Logos, das heißt: manifestiertes, fleischgewordenes Wort. Logos, das heißt kommunikationswissenschaftlich formuliert: Die greifbare und persönliche Externalisierung Gottes in der Schöpfung durch Materie gewordene Kommunikation.

Christen nennen diese „Externalisierung“ Jesus Christus. Vereinfacht gesagt heißt „Das Wort war Gott“ also: „Jesus Christus war Gott.“ Daher gehört Kommunikation für Christen zum Glaubensbekenntnis.

Sternenhimmel Jordanien - Licht und Finsternis

Licht und Finsternis – Der Sternenhimmel über der jordanischen Wüste.

Ein letzter Aspekt: Im Wort war das Leben und das Leben war das Licht. Es leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Nachdem bisher nur von Schöpfung und Leben die Rede war, lenkt Johannes nun den Blick auf das Gegenteil: Die Finsternis. Diese ist aber keine Nicht-Kommunikation, sonst wären Schweigemönche arge Ketzer. Nein, die Finsternis wird hier als das Gegenteil von Leben dargestellt. Mehr noch: Als die Umgebung, das externe Umfeld des Lebens. Merken wir was? Das Leben und die Schöpfung verhalten sich zur Finsternis wie sich Gott vor der Schöpfung zu seiner nichtexistenten Umgebung verhalten hat: Die Schöpfung ist wie Gott selbst ein in sich geschlossener Kommunikationskreislauf der allein durch seine Existenz leuchtet und den die Nichtexistenz nicht erfassen kann. Was nun also ist die Aufgabe dieser Schöpfung? Natürlich den Schöpfer zu imitieren: Den intrinsischen Vorgang zu externalisieren, selbst schöpferisch tätig zu sein, Gottes Schöpfung auszuweiten und „die Finsternis“ zurückzudrängen.

Das, liebe Leute, ist Kommunikation für Christen:
Ein leidenschaftlicher Schöpfungsvorgang, der Neues hervorbringt.
Keine neutrale Nabelschau, sondern ein Lebensspendendes Heilsystem.

Moment. System? Alle Soziologen und Kommunikationswissenschaftler unter meinen Lesern sollten nun Schnappatmung bekommen, denn, jawohl: Was hier in Johannes 1, 1-2 kurz und knapp zusammengefasst wird hat der gute Prof. Dr. Niklas Luhmann in über jahrzehntelanger harter Arbeit völlig untheologisch als Beschreibung der menschlichen Gesellschaft ausgearbeitet – nachzulesen in seiner Systemtheorie.

Ich lasse Sie das mal googlen und verabschiede mich für heute bis zum nächsten Mal – denn es gibt noch mehr Lehrstücke aus der Bibel zum Thema „Kommunikation für Christen“.

Das Papst Franziskus Rezept: Perzept statt Konzept.

Große Verwirrung stiftet Papst Franziskus gerne in allen Kirchenlagern.

Einerseits benennt er klar und deutlich die moralischen Probleme unserer Zeit: Er geißelt Gender-Ideologie und Abtreibung als inakzeptabel, kritisiert Kapitalismus und Auflösung der Familie. Andererseits ist er der Rockstar unter den Päpsten und bringt verwirrende Aktionen, die selbst Jesse Pinkman den Mund offen stehen lassen würden – so wie neulich die Tischzauberer-Nummer während seines USA-Besuchs. Diesen PR-Einlagen lässt er auch konzeptionell Taten Folgen: Er beruft die Familiensynode ein, senkt bürokratische Hürden im Ehenichtigkeitsverfahren, ruft ein Gnadenjahr der Barmherzigkeit aus und verlangt mehr Bescheidenheit von Amtsträgern und Gläubigen.

Papst Franziskus - Bild von Agência Brasil

Papst Franziskus – Bild von Agência Brasil

Was so viele verwirrt ist eine geniale Kommunikationsstrategie, die in der Kirche längst fällig war: Nachdem sich Jahrhundertelang Päpste nur in kompliziert verschwurbelten bürokratischen Ergüssen an die Öffentlichkeit gewandt haben, ignoriert hier einer plötzlich sogar die Printform. Papst Franziskus setzt vor allem Zeichen, Bilder und Gesten ein, um den Menschen den Glauben zu vermitteln. Damit setzt er mehr auf gelebten Glauben, Taten und Bekenntnis, weniger auf Wissen, Kenntnis und theologischen Tiefgang. Wer durch Franziskus zum Glauben kommt, muss nicht unbedingt wissen, was er da glaubt. Entscheidend ist, dass er es „fühlt“ und glaubwürdig lebt. Fans seines Vorgängers Benedikt XVI., des wohl gelehrtesten Papstes der letzten Jahrhunderte, verstört das. Ich gebe zu, ich bin so ein Benedikt-Fan. Es war die scharfe analytische Kraft Ratzingers, die mich fasziniert und stark an den katholischen Glauben gebunden hat. Aber um durch Benedikt zum Glauben zu kommen, muss man enorm viel lesen. Franziskus muss man nur zusehen.

Papst Franziskus setzt auf Perzept statt Konzept

Franziskus erfüllt eine Forderung, die der Medienforscher Marshall McLuhan bereits in den 1960er Jahren an die katholische Kirche gestellt hat: Im elektronischen Kommunikationszeitalter darf sie nicht mehr argumentieren und missionieren wie zu Zeiten des Buchdruck-Monopols. Die erhöhte Kommunikationsgeschwindigkeit dezentralisiert, stellt die vatikanische Bürokratie vor unlösbare Kommunikationsprobleme. Der Jahrhundertelang vorherrschende Versuch, den Glauben als „Konzept“ rational zu vermitteln, wird im Zeitalter elektronischer Medien sinnlos. Fernsehen, Radio und Internet appellieren nicht an unsere linke Gehirnhälfte, die für Analyse zuständig ist. Sie sprechen unsere rechte Hirnhälfte an, die jedes Phänomen ganzheitlich erfassen will. Wenn also heute jemand Armut predigt, aber hinter dem prunkvollen Petersdom wohnt, können wir das nicht akzeptieren. Da kann man argumentieren so viel man will (und es gibt gute Argumente für den Prunk), aber der Augenschein dominiert und die Kirche wird deshalb unglaubwürdig. Franziskus hat das erkannt. Darum vermittelt er den Glauben nicht als Konzept, sondern als Perzept, als subjektive Wahrnehmung.

Folgt man McLuhan, und das tue ich hier, macht Franziskus damit alles richtig. Er folgt dem Vorbild der Heiligen, die alle eines auszeichnet: Sie leben in der Gegenwart. Die Vergangenheit zählt nicht, wurde zurückgelassen. Alles, was sie begleitet, ist das lebendige Wort Gottes, der Logos, Mensch geworden in Jesus Christus und niedergeschrieben im Evangelium. Es ist die Richtschnur für das Handeln der Heiligen und indem er ihnen folgt, hat Franziskus die richtige Richtung vorgegeben. Statt lieber in der sicheren Gewissheit der Vergangenheit zu leben, betritt er Neuland und erfüllt damit die Beschreibung McLuhans für Heilige:

„Heilige wollen in der Gegenwart leben. Darum sind sie unerträglich“

Gelebter Glaube statt theologischen Grabenkämpfen – ein Stein des Anstoßes statt gemütliches Fundament. Mit diesem Papst an der Spitze muss einem nicht bange sein.

Gespenster und Arme Seelen: Glaub‘ ich das echt?

„Phantoms and ghosts are here by my side.“ Was Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow vor einigen Jahren so frei bekannte, dürften selbst viele Theologen eher brüsk von sich weisen. Gespenster, Phantome, übersinnliche Erscheinungen – das sind für aufgeklärte Menschen Betrügereien oder bestenfalls ein Fall für die Psychiatrie.

Doch ich glaube, jeder von uns hat schon einmal eine unerklärliche Erfahrung gemacht, etwas unheimliches erlebt. Wieso sonst sollten wir uns mit Gruselgeschichten so gut identifizieren können? Die Frage, wie wir uns das Erlebte im Nachhinein zurechterklären, soll hier mal egal sein. Denn natürlich gibt es immer wissenschaftlich einleuchtende Erklärungen für allerlei Phänomene – auch wenn diese Erklärungen wohl eher die Beobachter zufriedenstellen, als diejenigen, die so etwas selbst erleben. Mir geht es hier eher um die Frage, ob wir das Ungewöhnliche wahrnehmen und wie wir darauf reagieren (sollten).

... das sind aber keine Arme Seelen, sondern die Nahaufnahme einer Lampe.

Wenn Sie wollen, sehen Sie hier einen Geist …

Es gibt nämlich einen fundamentalen Unterschied zwischen den Helden eines Horrorromans und einem Christen. Während in einschlägigen Filmen und Büchern panisch geschrien, weggelaufen und durchgedreht wird, ist die Geschichte der Heiligen bei allen gruseligen Schilderungen doch recht unspektakulär. Und zwar deshalb, weil sie unglaublich cool blieben. Bestes Beispiel ist der heilige Pfarrer von Ars (hier eine sehr ausführliche Diplomarbeit über sein Leben). Von ihm wird berichtet, der Teufel, den er nur abschätzig „Grappin“ (= Greifer) nannte, habe ihn oft in der Nacht besucht, ihn mit kalten Klauen berührt, ihm Beleidigungen entgegengeschleudert und am Ende sogar sein Bett angezündet. Wie reagiert der Pfarrer aber darauf? „Ich hab‘ keine Zeit“, sagt er, dreht sich um und schläft weiter. Wow. Was für ein Spannungsvernichter!

Eine ähnlich lässige Art im Umgang mit übersinnlichen Dingen habe ich bei einer älteren Dame erlebt, die bis zu ihrem Tod neben mir gewohnt hat. Als ich frisch in meine damalige Wohnung eingezogen war, geschah allerlei Seltsames: Mitten in der Nacht huschte ein Licht im Flur herum, Schränke vibrierten und ich hörte jemanden meinen Namen rufen. Ich schob das Ganze als braver Akademiker auf den Umzugsstress und meine Nerven, erzählte aber doch meiner Nachbarin davon, die gerade die Fenster im Flur putzte. „Ach so, das ist nur der alte Herr Frantik, da brauchen’s sich nix denken“, sagte sie. Herr Frantik war mein verstorbener Vormieter. Ich stand wohl ziemlich perplex mit offenem Mund da, denn die nette alte Münchnerin hielt im Fensterputzen inne und sah mich belustigt an. „Ja san Sie jetzt katholisch oder net? Noch nie was von Armen Seelen gehört? Lassen’s a Messe für ihn lesen und des passt.“

Was soll ich sagen? Es passte. Nachdem ich für Herrn Frantik eine Heilige Messe bestellt und sicherheitshalber noch zusätzlich einen Priester mit dem Weihrauchfass durch meine Wohnung gejagt hatte, kam es nie wieder zu ähnlichen Phänomenen. Meine Nachbarin hingegen hatte ständig mit den „Armen Seelen“ zu tun. Sie sprach mit ihnen, betete für sie und als sie dann immer kränker wurde, sagte sie: „Herr Stiefenhofer, wenn I im Fegfeier bin, erschein ich Ihnen!“ Das war keine Drohung. Sie wollte mir damit einen Gefallen tun. Dass sie seitdem nicht mehr aufgetaucht ist, nehme ich als Zeichen dafür, neben einer Heiligen gelebt zu haben, die direkt in den Himmel zischen durfte. Genug Arme Seelen gerettet hat sie dafür auf alle Fälle.

Doch Stop! Moment! Glaub‘ ich jetzt echt ernsthaft an so was? Ich aufgeklärter, skeptischer Mensch? Also ich sag’s Ihnen ganz ehrlich: Trotz all dieser Erlebnisse hab ich immer noch das dumpfe Gefühl, dass irgendwie alles ganz anders ist … dass die Armen Seelen nicht einfach in der Gegend rumschwirren und Poltergeist spielen. Vielleicht spielt sich das Ganze ja auch nur in unseren Köpfen ab. Das ist aber im Grunde auch egal. Denn es gibt nur zwei Fragen zu klären: Glauben wir an das, was die Kirche lehrt? Und wenn ja, verhalten wir uns entsprechend? Entsprechend, das heißt: Cool wie der Heilige Pfarrer von Ars und engagiert betend wie meine Nachbarin. Denn wenn Himmel, Hölle, Fegfeuer und unsere unsterbliche Seele real sind, sollten wir das wohl schleunigst tun. Nicht dass wir am Ende noch enden wie Figuren in einem schlechten Horrorfilm …

Arme Seelen

Arme Seelen sind nach römisch-katholischer Tradition und Dogmatik Seelen im Fegefeuer, wohin sie durch die Entscheidung des Partikulargerichts (mit seiner

Arme Seelen und die Muttergottes – Fatima-Weltapostolat

Arme Seelen und die Muttergottes. 2. November 2014. Wie wirksam ist es… image_pdf · image_print. Veröffentlicht in Divers, Nachrichten. Vorheriger Beitrag Allerseelenablass gewinnen. Nächster Beitrag Unbefleckte Empfängnis, das …

Das Wesentliche und seine Nebenwirkung

Stell Dir den Moment vor, in dem Du stirbst. Diesen konkreten Moment in der Zukunft, von dem Du mit absoluter Sicherheit weißt, dass es ihn geben wird. Verwende zehn Sekunden darauf, Dir Deinen Tod ganz konkret vorzustellen, danach lies weiter.

Memento mori - Glauben an die Auferstehung

Grabstein in Freiburg

Fertig? Nun, egal, ob Du Dir Dein Ableben eben als schwebenden Übergang in ein anderes Leben oder als reines ausgeknipst-werden vorgestellt hast: Was Du dabei gespürt und gedacht hast, war das Wesentliche: Die Frage nach der menschlichen Existenz und dem Sinn. Du hast Dir den Moment ausgemalt, von dem die christliche Botschaft ausgeht. Christen behaupten nicht weniger, als dass es einmal jemanden gab, der gestorben ist und wieder auferstand. Und das meinen wir wörtlich, das macht unseren Glauben aus. Was über Jahrhunderte hinweg ein Skandal war, ist für die Menschen heute ganz leicht zu verstehen, denn schließlich kennen wir die Wiederauferstehung zur Genüge aus Computerspielen. Aber das hier ist kein Spiel, es ist ernst. Denn durch seine Auferstehung hat Christus – wie der Gamer sagt – den „Skill“ Auferstehung für die gesamte Menschheit freigeschaltet. Keiner muss mehr tot bleiben, es geht weiter. Die Frage, was das konkret heißen soll, ist nicht Thema dieses Texts. Nur so viel: Das Ausbleiben christlicher Zombiehorden ist ein dezenter Hinweis darauf, dass unsere menschlichen Körper nicht zum Recycling gedacht sind. Es ist alles ganz anders.

Die Freischaltung des Skills „Auferstehung“ durch Jesus Christus ist das Wesentliche am christlichen Glauben. 

Gott ist Mensch geworden und hat seine ganze Schöpfung umgekrempelt, um uns aus der Bredouille zu ziehen. Warum das nötig war, auch davon soll ein andermal die Rede sein. Hier nur so viel: Wir waren Schuld. Du, ich, Tante Erna und der süße kleine Kevin tragen Spuren dieser Schuld immer noch in uns. Das ist der christliche Glaube. Tod, Leben, Sünde, Erlösung. Übersinnlich, Irrational, mystisch. Darum geht’s.

Aber worüber reden wir Christen?

Über Meinungshoheit, linke oder rechte Politikfantasien, Homosexualität, Frauenrechte, Kita-Plätze, Elterngeld, Abtreibung, die US-Wahlen, die mörderischen Vollidioten unserer und anderer Religionen. Wir folgen dem Nachrichtenwert: Wenn etwas stinkt, knallt, kracht und idealerweise noch in der Nähe geschieht, ist es berichtenswert. Das ist ein Mediengesetz und das bedeutet, es ist nicht gut und nicht schlecht, sondern, wie der Österreicher sagt, „es is a so“. Ein Naturgesetz, das der Sache innewohnt. Die Kirche folgt diesem Naturgesetz, obwohl es ihr egal sein könnte und müsste. Denn was stinkt, knallt und kracht ist nicht das Wesentliche. Es ist eine Nebenwirkung. Das heißt nicht, dass wir darüber nicht reden dürfen. Es heißt nur, dass wir uns diesen Themen vom Wesentlichen, vom Kern unseres Glaubens her nähern sollten und nicht aus der Überheblichkeit unserer Studier- oder Redaktionsstuben. Das wahre Wissen der Kirche war immer schon erbetet, reine Gnade.

Wir sind noch keine Menschen …

Weil wir nicht mehr beten, werden wir nur noch durch unsere Äußerungen zu den Nebenwirkungen wahrgenommen. Wir schweigen zum Wesentlichen in der Öffentlichkeit. Stattdessen diskutieren wir lang, breit und lieblos über Sozialthemen oder die rechtlichen Implikationen kirchlicher Trägerschaft, erklären aber niemandem mehr, warum die Kirche sich überhaupt sozial engagiert. Nicht aus politischem Interesse oder damit die Leute aus Not unserem Verein beitreten. Sondern weil der Urgrund der Kirche es verlangt. Weil der Gott, der Mensch wurde, von uns verlangt, Mensch zu werden. Daraus folgt: Wir sind noch keine Menschen. Wir sind Sünder, brauchen Erlösung und wenn wir die nicht haben, können wir zehntausend Waisenhäuser gründen und fahren trotzdem zur Hölle. So rum wird ein Schuh draus und wenn wir das verkünden, werden wir verstanden. Aber Sünde und Sühne, Himmel und Hölle, Verdammnis und Erlösung sind abgeschafft.

Die Kirche wird in Deutschland nur noch als Nachklang des Wesentlichen wahrgenommen, als eine Institution gewordene Nebenwirkung der Erlösung.

Darum werden wir nicht mehr verstanden. Wir werden nicht verstanden, weil unsere Pfarreien oft nurmehr zünftige Traditionsvereine mit salbungsvollem Inhalt sind, doch keine brennenden Gebetszellen angehender Mystiker. Ein Symptom davon ist unsere Kirchenarchitektur: Eine gotische Kathedrale atmete noch das Evangelium, an jeder Ecke war sie Architektur gewordene Katechese. Sie strebte zu höherem, spornte den Menschen an, hielt hunderte versteckte Wahrheiten bereit, die es zu entdecken galt. Aus dem Kirchengebäude sollte der Heilige Geist sprechen, doch heute dünsten die grauen Betonwände meist eher akute Depression aus. Wenn das angeblich so hirnlose und leibfeindliche Mittelalter schönere Gotteshäuser hervorgebracht hat als unsere Komfort- und Genussgesellschaft, sollten wir wohl besser selbst wieder etwas hirnloser und leibfeindlicher werden.

Grab aus dem hirnlosen Mittelalter (im Freiburger Dom)

Grab aus dem hirnlosen Mittelalter

Doch Sarkasmus beiseite und zurück zum Kern: Die deutsche Kirche hat in ihrer Kommunikation das Übersinnliche, die Transzendenz inzwischen weitgehend ausgesperrt und thematisiert – wie alle anderen gesellschaftlichen Akteure – vorwiegend das Banale. Jammern hilft da jedoch nicht weiter, darum die konkrete Frage: Wie kann man das ändern? Der berühmte Medientheoretiker Marshall McLuhan gab auf diese Frage die kommunikationswissenschaftlich fundierte Antwort, die Kirche solle „nur noch das Höllenfeuer predigen“. Er meinte damit aber nicht, dass die Pfarrer grimmiger gucken und die Kirche den Leuten Angst machen sollte. Er ging vielmehr davon aus, dass man nicht über das Wesentliche reden kann, ohne dass einen das nackte Grauen packt.

Die Angst kommt automatisch, wenn man ernsthaft über jenseitige Dinge spricht.

Und wer glaubt, das könne man den Menschen nicht zumuten, kennt die Absatzzahlen des Horrorbuch- und Computerspielmarktes nicht. Die Menschen sehnen sich danach, dass über Transzendenz gesprochen wird. Wer, wenn nicht die Kirche kann den Mut und die Zuversicht haben, die richtig beängstigenden Fragen zu stellen? Die traurige Antwort: Stephen King, J.K. Rowling oder David Wong.

Transzendente Erlebnisse machen die Menschen heute nicht mehr in der Kirche, sondern in Computerspielen oder bei der Lektüre von Fantasy und Horrorliteratur.

Dieses Genre stellt jene Fragen, für die unsere Theologie zu feige geworden ist.

Beispiel gefällig? Bitte schön. Er stammt aus dem Buch  „John dies at the end“ von David Wong:

Hattest Du schon einmal einen Traum, der mit einem Knall endete? Vielleicht feuerte im Traum jemand eine Waffe auf Dich ab. Und als Du wach wurdest, verschmolz der Pistolenknall in den Lärm einer umgekippten Mülltonne vor Deinem Fenster. Nun die verzwickte Frage: Woher wusste Dein Gehirn, dass die Mülltonne umfallen würde? Kann etwas in Dir hellsehen? Hier sind zwei Antworten, beide der Horrorliteratur entnommen:

1. Zeit ist kein linearer Ablauf, sondern eine Einheit, ein Ozean. Im Traum verlassen wir die Zeit, betreten die Ewigkeit und alles geschieht gleichzeitig. Darum war es für Dein Gehirn kein Problem, den Müllmann mit dem Pistolenschuss zu synchronisieren.

2. Die meisten unserer Träume, auch die längsten, dauern nur wenige Sekunden. Zeit kann also unterschiedlich lang empfunden werden und die Zehntel Sekunden zwischen Mülltonne und Aufwachen haben dem Gehirn gereicht um eine gefühlt halbstündige Storyline zu entwerfen, an deren Ende der Schuss fällt.

Faszinierende Gedanken, was? Und jetzt bist Du dran, vor allem wenn Du Priester oder Theologe bist. Aber auch, wenn Du Dich als gläubigen Journalisten siehst: Rede über so was! Aber bitte auf Deutsch und nicht auf Theologisch. Hab keine Angst davor, für verrückt gehalten zu werden. Stelle Fragen und gib Antworten aus dem Evangelium. Dann kommen wir „Zurück zum Wesentlichen“.

To be continued …