Im PUR Magazin: Der Krieg der Meinungsblasen.

Im PUR Magazin: Der Krieg der Meinungsblasen

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt: Rechte Straftaten gegen Asylbewerberheime haben sich nach Angaben des Bundeskriminalamts im Vergleich zu 2014 verdreifacht. Liberale Journalisten erhalten Morddrohungen von Neonazi-Gruppierungen und im Januar wurde ein Brandanschlag auf das Auto des Politikers Hans Erxleben (DIE LINKE) verübt. Doch auch die Gewaltbereitschaft radikaler linker Gruppierungen und selbsternannter „Antifaschisten“ wächst. So wurden Brandanschläge auf das Auto der AfD-Vorsitzenden Beatrix Storch und auf die Geschäftsstelle der „Demo für alle“ verübt. Der konservative Blogger und Publizist Josef Bordat erhielt Morddrohungen und stellte aus Angst vor einem Brandanschlag auf sein dicht besiedeltes Wohnhaus seinen Blog vorübergehend ein.

Im aktuellen PUR Magazin erkläre ich im Interview, dass diese Entwicklung durch die Sozialen Medien entscheidend befeuert wird. Wir müssen wieder lernen, „Gefällt mir“ beim politischen Gegner zu klicken. Das auch darüber hinaus sehr lesenswerte Heft kann hier bestellt werden (klicken).

PUR Magazin Dezember 2015

Meine entscheidende These ist, dass sich die Mehrheit der Social-Media-Nutzer in ihrer eigenen Meinungsblase einigeln: Man liest nur, was man lesen will. Das führt zu einer sektiererischen Gruppenethik und zu einem sehr eingeschränkten Horizont. Für den wachen Menschen und insbesondere für den Christen muss gelten: „Klicken Sie auch ‚Gefällt mir!‘ beim politischen Gegner und lesen Sie auch die Meldungen von Organisationen, die Sie ablehnen!“ Das ist eine Haltung, die auch die Redaktion des PUR Magazins hat, weswegen ich dort gerne erscheine.

Da ich das schon seit Jahren praktiziere, konnte ich die aktuelle Radikalisierung aus erster Hand in verschiedenen politischen Lagern beobachten: Die eher links orientierte gesellschaftliche Mitte bis an den autonomen Rand fühlte sich von den „Rechten“ bedroht und die eher konservativ orientierte gesellschaftliche Mitte bis an den rechten Rand von den „Linken“. Beide hatten und haben nur sehr nebulöse Feindbilder, die sie mit „Neonazis“ oder „Neue Rechte“ auf der einen und „Autonome“, „Linksliberale“ oder „Terroristen“ auf der anderen Seite bezeichnen. Tritt ein Publizist auf, der die Mitte sucht, wird schnell ein Glaubensbekenntnis für die eine oder andere Seite von ihm verlangt. Verweigert er das, wird er bei nächster Gelegenheit aufgrund einer isolierten Aussage entweder als „Neuer Rechter“ oder als „Linksliberaler“ gebrandmarkt und hat fortan die Wahl, entweder nur noch in seiner neuen Schublade zu schreiben oder seine Existenz an den Nagel zu hängen.

Die Debatte ist der Inquisition gewichen.

Wer die Bekehrung verweigert, wird an den Pranger gestellt und zum Abschuss freigegeben. Die sozialen Medien haben unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu einer Art Stammesgesellschaft mit tausenden kleinen Splittergrüppchen zurückentwickelt, in der zunehmend Konformität und Akklamation zählen. Der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan hat das bereits in den 60er-Jahren prophezeit und heute ist es leider Realität. Hier sind Aufklärung, miteinander reden und Versöhnung gefragt!

Mehr dazu gibt’s diesmal nur direkt im PUR Magazin 😉

Sokrates, Jesus und Steve Jobs: Direkte Kommunikation in Vollendung.

Was haben Sokrates, Jesus Christus und Steve Jobs gemeinsam? Und zwar einmal ganz abgesehen von philosophischen, religiösen und unternehmerischen Fragen. Es ist die direkte Kommunikation und persönliche Lehre. Sie ist – neben Riesenhirn, Gottessohnschaft und schönem Design – der Kern ihres Erfolges.

Direkte Kommunikation kennt einen Meister: Jesus Christus.

Ein Denkmal für den Meister der direkten Kommunikation: Jesus-Statue auf dem Ölberg.

Der Meister des Dialogs …

Der älteste der drei ist Sokrates – 469 vor Christus geboren und der erste Philosoph, der die vorher recht abstrakten und jenseitigen Thesen der „Weisen“ auf diesseitige Beine gestellt hat. Das tat er in seinen berühmten „Dialogen“: Er zweifelte sicher geglaubte Wahrheiten an und brachte seine Gesprächspartner durch geschickte Fragen dazu, ihren Irrtum selbst zu erkennen. Sokrates war ein Lehrer, immer im Dialog mit seinen Mitmenschen, er suchte die direkte Kommunikation. Diese Methode war ihm so wichtig, dass er nichts niederschrieb – obwohl die Möglichkeit dazu damals schon bestanden hätte. Aber die schriftliche Lehre hätte seine Methode verfälscht. Erst sein Schüler Platon schrieb die Lehren des Sokrates nieder – mit seiner ganz eigenen Wertung, die wohl oft nicht im Sinne des großen Atheners gewesen wäre. (vgl. Karl Popper: „Die Feinde der offenen Gesellschaft“)

… der vierdimensionale Christus …

Doch auch ohne Wertungsfehler seitens Platons: Das Phänomen Sokrates funktioniert in Schriftform nicht. Wie sieht es bei Jesus Christus aus? Funktioniert das Evangelium auch nicht? Doch, aber nur weil es vier davon gibt! Auch Jesus Christus war ein Lehrer, der die Menschen direkt angesprochen hat. Er war ein Magnet für die Massen und es ist wohl das größte Wunder, dass er inmitten der Menschenmengen ohne Mikrofone überhaupt ausreichend verstanden wurde. Seine Art der Lehre war ähnlich wie die des Sokrates: Mit Beispielen und Bildern (Gleichnisse genannt) macht er den Menschen abstrakte Tatsachen anschaulich. Der entscheidende Unterschied ist jedoch: Jesus bezieht sich auf die schriftliche jüdische Überlieferung und bildet in seinen Aussagen eine klare Abgrenzung zur Schriftreligion: „Es steht geschrieben … ich aber sage Euch: …“ Das Geschriebene ist das Gesetz, das Jesus „nicht aufheben, sondern erfüllen“ will. Will heißen: Nur durch das Handeln und die direkte Kommunikation wird das geschriebene Wort wieder lebendig und damit zum „Logos“, zum Wort Gottes. So ist auch das Handeln Jesu nicht in einem, sondern in vier Büchern niedergeschrieben. Jedes Evangelium öffnet einen anderen Blickwinkel und macht Jesus damit insgesamt „vierdimensional“. Näher an der direkten Erfahrung des Lehrers konnte man mit den damaligen Mitteln nicht herankommen.

.. und die direkte Kommunikation heute!

Mit dem IPhone ginge das natürlich schon! Sokrates und Jesus hätten heutzutage darum die sozialen Medien und vor allem das Medium Video intensiv für ihre Botschaft genutzt: Denn über diese Kanäle kommt ihre Kernbotschaft rüber – die ganzheitliche Art der Lehre durch Sprache, Mimik, Gestik. Steve Jobs hat erkannt, dass der moderne Mensch viel eher den Leuten der Antike gleicht als seinen eigenen Großeltern aus den Zeiten der Industrialisierung: Statt durch Bücher lernen wir durch elektronische Medien und stehen schon seit Beginn des Fernsehens und erst recht seit dem Internet mit TED und Co. wieder in direktem Blickkontakt mit unseren Lehrern. Hand auf Herz: Wie viele von Ihnen haben sich kurze Erklär-Videos zur letzten Finanzkrise angeschaut? Und wie viele haben im Vergleich dazu eine wissenschaftliche Abhandlung gelesen? Unsere Welt wurde komplexer und das Lehren einfacher und gleichzeitig ganzheitlicher. All das ist im Apple-Universum in ansprechendem Design umgesetzt und Steve Jobs hat mit seinen Produktvorstellungs-Reden ähnliche Kommunikationsikonen geschaffen wie es die Bergpredigt oder das Symposion schon seit Jahrhunderten sind. Wohlgemerkt gilt das natürlich nur rein formal, vom Inhalt ist hier nicht die Rede.

Was lehrt uns also die Gemeinsamkeit von Sokrates, Jesus und Steve Jobs? Direkte Kommunikation funktioniert heute wie damals zunehmend direkt und ganzheitlich. Die „Zwischenhändler“ Buch und Zeitung sind großflächig ausgeschaltet, das Internet hat übernommen. Für uns bedeutet das: Anders kommunizieren! Direkter, herzlicher, ehrlicher, freundlicher. Das Gesetz nicht abschaffen, aber es mit Leben erfüllen. Direkte Kommunikation heißt die Herausforderung der Stunde.

Miss Verständnis und Konsorten: Kommunikationsfallen im Alltag

Kommunikationsfallen im Alltag

Neulich auf dem John-F-Kennedy-Flughafen in New York: Ein mit allerlei Lametta behangener Einwanderungspolizist befragt eine nervöse deutsche Seniorin. „What’s your name?“ Die Dame versteht die Sprache nicht, fixiert den gewaltigen Revolver des Beamten und murmelt: „Das ist ein Missverständnis!“ Der Ami runzelt die Stirn und fragt: „What? Miss Whereshdandnis? Your passport says your name is Meier!“

Missverständnisse vermeiden - Kommunikationsfallen im Alltag erkennen

Was wie ein mühsam herbeikonstruierter Witz klingt, ist leider Alltag. Wir verstehen uns nicht – selbst wenn wir eigentlich dieselbe Sprache sprechen. Es ist der Normalfall, dass Kommunikation misslingt. Die meisten Konflikte im privaten und geschäftlichen Alltag fußen nicht auf Unfähigkeit, sondern auf Missverständnissen. Die drei größten Kommunikationsfallen im Alltag sind:

1. Die Negationsfalle:

Wer etwas erklärt, fängt meist damit an, wie es nicht sein soll. Nun ist unser Gehirn aber leider positiver eingestellt als es uns lieb sein kann und überhört gerne das kleine Wörtchen „nicht“. Das Ergebnis: Eine Fehlschaltung, die dazu führt, dass wir uns genau das Gegenteil des gemeinten merken. Zum Beispiel: Wenn Sie zu Beginn Ihres Vortrags 100 Leuten sagen „Das Auto war nicht grün, sondern gelb!“ und Sie fragen hinterher nach der Farbe des Wagens, werden die meisten sagen: „Grün“. Darum: Nicht „nein“ sagen, sondern „ja“!

2. Die Hinführungsfalle.

Diese Kommunikationsfalle im Alltag ist eng mit der Negationsfalle verwandt, kommt aber ganz ohne das Wörtchen „Nein“ aus. Unser Gehirn ist darauf getrimmt, dass das Wichtigste zuerst kommt. Das stammt noch aus unserer Zeit in der Wildnis: Was zuerst aus dem Busch springt ist die größte Bedrohung. Dennoch neigen wir dazu, auf unsere Aussagen hinzuführen, einzuleiten, Spannung aufzubauen. Doch was ein gutes Buch auszeichnet, geht in der alltäglichen Kommunikation meist schief. Beispiel: In einem Vortrag sagte ich: „Viele sehen die Medien als reine Werkzeuge. Aber entscheidender ist, dass sie unsere Wahrnehmung der Welt verändern.“ Ein Journalist machte daraus im Artikel: „Nach Herrn Stiefenhofers Ansicht sind Medien reine Werkzeuge.“ Seitdem erkläre ich die Sache umgekehrt: Zuerst meine Hauptaussage und dann der falsche Common Sense. So ist es leichter verständlich.

3. Die Vorurteilsfalle:

In der alltäglichen Kommunikation haben wir es immer mit Leuten zu tun, die sich für ziemlich schlau halten. Jeder hat zu jedem Thema immer eine Meinung, eine Ansicht, ein Vorurteil. Und dieses Vorurteil ist der entscheidende Filter, durch den ich mit meiner Aussage erst einmal dringen muss. Oft geht das nicht ohne Streuverluste. Beispiel: Wenn ich einem Eichhörnchen-Hasser die biologische Nützlichkeit der Tierchen erkläre, werde ich bestenfalls ein „die Mistviecher sind also nicht NUR grässlich“ ernten. Bei einem Tierfreund dagegen renne ich offene Türen ein. Es ist also wichtig, die Stärke der Vorurteilsmauern meines Gegenübers zu erkennen. Daran muss ich die Stärke meiner „Kommunikationskanonen“ ausrichten und werde im schlimmsten Fall dennoch missverstanden.

Daher: Formulieren Sie einfach, schlicht und kurz. So vermeiden Sie Kommunikationsfallen im Alltag!

Kommunikation für Christen: Praxis-Tipps vom Schöpfer

Kommunikation für Christen: Gottes Vorbild und mein Handeln …

Kommunikation ist aus christlicher Sicht ein schöpferischer Akt und prinzipielles Merkmal des Lebens. So weit, so abstrakt. Aber wie gelingt Kommunikation für Christen ganz konkret? Diese Frage beantwortet Gott selbst mit seinem Handeln – zum Beispiel ganz am Anfang der Bibel im Buch Genesis:

Kommunikation für Christen: Gott sprach und es wurde

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht.
(Genesis 1, 1
-5)

Und bei der Berufung des Mose im Buch Exodus:

Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen? Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der «Ich-bin-da». Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der «Ich-bin-da» hat mich zu euch gesandt. (Exodus, 3, 13+14)

Gott spricht in beiden Texten. Und immer gelingt ihm die Kommunikation geradezu explosiv: In Genesis erschafft er die Welt, in Exodus offenbart er sich den Menschen. Kommunikation bedeutet für Gott: Er greift direkt ein. Der in der Dreifaltigkeit angelegte Kommunikationskreislauf Gottes externalisiert sich und schafft Leben.

Mehr noch: Wenn Gott in der Genesis sagt „Es werde“, ist das im hebräischen Urtext mit demselben Wort ausgedrückt wie das „Ich bin“ im Exodus-Text (im Zitat fett hervorgehoben). Der Schöpfungsakt wird damit direkt auf das Wesen des Schöpfers zurückgeführt: Gott handelt, weil er ist und er kann nur schöpferisch handeln, weil er so ist, wie er ist. Seine Botschaft an Mose lautet also übersetzt: „Es gibt mich und ich habe Euch geschaffen – zieht daraus Eure Konsequenzen!“

Wie also kommuniziert Gott in beiden konkreten Beispielen? Auf keinen Fall wie ein Zeuge Jehovas, der von Tür zu Tür rennt und einem mit dem Wachturm vor’m Gesicht herumwedelt. Das ist keine Option in der Kommunikation für Christen. Gottes Handeln ist von seinem Sein untrennbar.

Gott kommuniziert, indem er ist. Und wir sollten das ebenfalls.

Das mag kompliziert klingen, dürfte aber auch jedem atheistischen Sinnsucher einleuchten: Sinn findet man nur, indem man die Dinge auf das Wesentliche reduziert. Und je wesentlicher etwas ist, desto schwerer wird es in Worte zu fassen. Von menschlicher Seite aus ist Gott nur erlebbar, nicht rational erfassbar, wie ich es hier bereits einmal skizziert habe (Gotteserfahrung ist Perzept, nicht Konzept).

Was heißt das nun konkret auf den Menschen und unsere Kommunikation untereinander übertragen? Auch unsere Kommunikation gelingt nur dann, wenn sie …

  1. … unserem Sein entspricht. Konkretes Beispiel: Auf wen hören wir mehr? Auf die in sich ruhende Großmutter, die leise behutsame Worte spricht oder auf den hyperventilierenden Fernsehprediger mit perfekt sitzenden Bibelsprüchen?
  2. … schöpferisch ist und nicht leer zurückkehrt (vgl. Jes. 55,11). Konkretes Beispiel: Dieser Beitrag von mir zum Katholikentags-Plakat ist erst mal nur eine Kritik. Zu gelungener Kommunikation würde er nur dann, wenn er etwas bewegen würde. Ob das der Fall ist, ist oft aber schwer zu beurteilen, da die Wirkung meist nur im Verborgenen geschieht.
  3. … unser Sein erweitert und ihm entströmt. Konkretes Beispiel: Peter macht am liebsten in Ruhe Bürokram. Beate liebt den Kontakt mit Menschen. Wer ist besser für den Kundenkontakt geeignet? Klar: Beate. Weil sie dann so sein darf, wie sie ist. (Einziges Problem: Manche Leute wissen nicht, wie sie sind. Sie denken, ganz toll mit Menschen umgehen zu können, sind aber dabei ganz arge Schreckschrauben (m/w)).

Man könnte diese Liste noch fortsetzen, doch ich möchte hier im Grunde nur dazu ermutigen, Gottes Beispiel: Erst kommt das Sein, dann kommt die Kommunikation für Christen. Wer (noch) keine Substanz hat, sollte erst einmal daran arbeiten, bevor er/sie die Welt mit seinen/ihren Ergüssen beglückt. In diesem Sinne möchte ich mit der mir lieb gewordenen goldenen Kommunikations-Regel schließen:

„Wenn Du nichts zu sagen hast, dann sag lieber nichts.“

Kommunikation für Christen: Biblische Grundlagen.

Kommunikation für Christen: Kenne die biblischen Grundlagen

Journalisten sind kritische Zeitgenossen und tun sich deshalb meist eher schwer mit Religion und Glauben. Selbst katholische Publizisten haben vor einiger Zeit in einer Umfrage erklärt, nicht ihren Glauben verkünden, sondern lediglich nüchtern berichten zu wollen. Da frage ich nach: Wenn Du nicht schreibst, was Du glaubst, was schreibst Du dann? Ich sage: Kommunikationswissenschaft sollte für Christen eigentlich die Königsdisziplin sein – mindestens gleichauf mit der Theologie. Die Bibel gehört kommunikationswissenschaftlich betrachtet, damit man die Grundlagen seines Tuns versteht. Los geht es mit dem Anfang des Johannes-Evangeliums:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.  In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.

(Johannes 1, 1-2)

Kommunikation für Christen - Gott ist Kommunikation

Gott ist Kommunikation

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Kommunikation stand am Anfang der Schöpfung. Gott kommunizierte, ja: Er war Kommunikation. Was das bedeutet, ist vielschichtig:

Zum einen ist das ein Hinweis auf die Dreifaltigkeit Gottes. Dreifaltig, das bedeutet, dass Gott sich in sich selbst genug ist. Er braucht keine Menschen und keine Schöpfung und er braucht sie deshalb nicht, weil er aus einem in sich geschlossenen Kommunikationskreislauf besteht. „Vater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“ – drei inhaltsreiche theologische Begriffe, die an dieser Stelle der Einfachheit halber nur für drei „personalisierte Eigenschaften“ Gottes stehen sollen – sind in erfüllter Kommunikation versunken und existieren ohne Not und Mangel. Deshalb kann man sagen: Gott ist Kommunikation. Nicht ausschließlich natürlich, aber es ist ein wichtiger Aspekt.

Von diesem Grundsatz erzählen die ersten beiden Sätze des Johannes-Evangeliums. Im dritten Satz wird die Schöpfung erzählt: Alles wird geschaffen, wodurch? Wieder durch „das Wort“, die Kommunikation! Diesmal durch die aus der göttlichen Sphäre ausströmende Kommunikation. Wissenschaftlich formuliert hat Gott also einen rein intrinsischen Vorgang externalisiert. Das war neu, kreativ und innovativ. Geschaffen wurde dadurch nicht nur ein Kommunikationsstrom vom Schöpfer aus, sondern alles, was nicht direkt Gott ist: Zeit, Raum, Materie, Leben. Der Moment, in dem Gott die Kommunikation nach außen wandte, war der christliche Urknall.

Hätten wir also Gott und die Schöpfung in vier Sätzen erklärt bekommen. Doch Moment, da steht: „Das Wort war Gott“. Ist Gott also ausschließlich Kommunikation, etwas Unpersönliches? Nein, denn „das Wort“ im griechischen Original heißt „Logos“. Und das bedeutet nicht nur „Wort“, sondern auch „Sinn“ und wurde oft als Synonym für „Gott“ verwendet. Logos, das heißt: manifestiertes, fleischgewordenes Wort. Logos, das heißt kommunikationswissenschaftlich formuliert: Die greifbare und persönliche Externalisierung Gottes in der Schöpfung durch Materie gewordene Kommunikation.

Christen nennen diese „Externalisierung“ Jesus Christus. Vereinfacht gesagt heißt „Das Wort war Gott“ also: „Jesus Christus war Gott.“ Daher gehört Kommunikation für Christen zum Glaubensbekenntnis.

Sternenhimmel Jordanien - Licht und Finsternis

Licht und Finsternis – Der Sternenhimmel über der jordanischen Wüste.

Ein letzter Aspekt: Im Wort war das Leben und das Leben war das Licht. Es leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Nachdem bisher nur von Schöpfung und Leben die Rede war, lenkt Johannes nun den Blick auf das Gegenteil: Die Finsternis. Diese ist aber keine Nicht-Kommunikation, sonst wären Schweigemönche arge Ketzer. Nein, die Finsternis wird hier als das Gegenteil von Leben dargestellt. Mehr noch: Als die Umgebung, das externe Umfeld des Lebens. Merken wir was? Das Leben und die Schöpfung verhalten sich zur Finsternis wie sich Gott vor der Schöpfung zu seiner nichtexistenten Umgebung verhalten hat: Die Schöpfung ist wie Gott selbst ein in sich geschlossener Kommunikationskreislauf der allein durch seine Existenz leuchtet und den die Nichtexistenz nicht erfassen kann. Was nun also ist die Aufgabe dieser Schöpfung? Natürlich den Schöpfer zu imitieren: Den intrinsischen Vorgang zu externalisieren, selbst schöpferisch tätig zu sein, Gottes Schöpfung auszuweiten und „die Finsternis“ zurückzudrängen.

Das, liebe Leute, ist Kommunikation für Christen:
Ein leidenschaftlicher Schöpfungsvorgang, der Neues hervorbringt.
Keine neutrale Nabelschau, sondern ein Lebensspendendes Heilsystem.

Moment. System? Alle Soziologen und Kommunikationswissenschaftler unter meinen Lesern sollten nun Schnappatmung bekommen, denn, jawohl: Was hier in Johannes 1, 1-2 kurz und knapp zusammengefasst wird hat der gute Prof. Dr. Niklas Luhmann in über jahrzehntelanger harter Arbeit völlig untheologisch als Beschreibung der menschlichen Gesellschaft ausgearbeitet – nachzulesen in seiner Systemtheorie.

Ich lasse Sie das mal googlen und verabschiede mich für heute bis zum nächsten Mal – denn es gibt noch mehr Lehrstücke aus der Bibel zum Thema „Kommunikation für Christen“.