Die Angst des Horst Seehofer

Mann Leute, kaum muss man sich wegen der Flüchtlingskrise mal länger als eine Woche anstrengen, schon haben alle möglichen Horste die Bux voll. Horst Seehofer zum Beispiel. Und kaum sind nicht alle Flüchtlinge Vorzeigemenschen, dreht sich die Stimmung. An alle, die jetzt Angst um Deutschland haben, überlegt mal:
Wem war denn der Nahe Osten, wem war Afrika jahrzehntelang egal? Wer hat sich denn mit allerlei autoritären und totalitären Regimes prächtig arrangiert, gewinnbringend gehandelt und sein Fähnchen dann flott in den Wind des „Arabischen Frühlings“ gedreht, ohne die Hintergründe zu begreifen? Wer hat sich denn in den letzten Jahren des Chaos so gut wie möglich von den Flüchtlingsströmen abgeschottet und die Hauptlast die Anrainerstaaten der Krisen tragen lassen, bis die Krisen zu Kriegen wurden und auch die letzten sicheren Häfen überschwemmten?
Vielleicht Europa? Und das Deutschland, um das ihr jetzt Angst habt?
Vielleicht ist es dann ganz gut, dass es sich demnächst ein wenig ändert. Unbequemer wird es vielleicht. Aber wenigstens das Schlafwandeln ist vorbei. 
 Warum Horst keine existentielle Angst haben muss, habe ich hier dargelegt. Dass er kein Verständnis dafür hat, dass die Kanzlerin Flüchtlinge unregistriert hat einreisen lassen, ist verständlich. Schließlich muss ja alles seine Ordnung haben. Und schließlich ist Deutschland ja ein Drittweltland, in dem jeder bauen kann wo er will, arbeiten kann wo er will (und das auch ohne Bankkonto) und in dem die Sicherheitskräfte so gut wie gar nicht präsent, überfordert sowie schlecht ausgebildet sind. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich die unregistrierten Flüchtlinge ein gallisches Dorf im bayerischen Wald bauen und zur Landtagswahl antreten, wenn wir nicht schnell was unternehmen. Am Ende kommen noch die Russen.
Angst gebiert Chimären. Angst ist nicht christlich, nicht katholisch.
Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind Menschen. Okay, lass unter ihnen im schlimmsten Fall einige hundert Islamisten mit Rauschebart und Bötzelschuhen sein. Aber auch die haben einige tausend Kilometer hinter sich, sind hungrig, durstig und müde. „Gut so“, mag der Horst da sagen. Aber was, wenn unser Land doch nicht so wertneutral, verdorben und verrottet ist, wie viele es darstellen? Was, wenn es fähig ist zur Annahme, zur Aufnahme, zur Fürsorge – zur Feindesliebe? Wird das nicht in den Herzen etwas ändern? Wird nicht auch der dümmste Islamist nachdenklich, wenn alle lieb zu ihm sind? Nein?
Nicht Horst Seehofer, sondern Jesus Christus.

Mit offenen Armen alle empfangen, die Hilfe brauchen. Das ist christlich.

Vielleicht ist das naiv. Christlich ist es allemal. Und – pssst – hier verrate ich mal wieder etwas aus meinen Jahren bei „Kirche in Not“ – ein offenes Geheimnis, das auch die Kollegen von Open Doors kennen: Die Bekehrungen von Muslimen zum Christentum in den Ländern des Nahen Ostens boomen. Warum? Weil sie die Schnauze voll haben vom durch Hassprediger pervertierten Islam und weil es allein christliche Hilfswerke waren, die ihnen in der Not beigestanden sind. Allein christliche Nonnen und Priester sind geblieben, als alle anderen verschwanden.

Alle reden von „Evangelisation“. Jetzt haben wir die große Chance, den Worten Taten folgen zu lassen, aber ganz Katholisch-Facebook jammert den Untergang des Abendlands herbei. Ganz Katholisch-Facebook? Nein, ein kleiner Blog hört nicht auf, den Schwarzmalern Widerstand zu leisten. Hoffentlich kommt jetzt kein Angriff von den anderen Galliern. Ihr wisst schon: Den Unregistrierten aus dem bayerischen Wald.

5 Gründe, warum Deutschland Flüchtlinge aufnehmen kann und muss.

Für jeden Quatsch gibt’s im Internet Listen. Darum dachte ich mir: Machst Du mal eine Liste über was Sinnvolles. Zum Beispiel, warum Deutschland Flüchtlinge aufnehmen kann und muss. Und zwar alle, die kommen. Los geht’s!

1.

Unsere Bevölkerung schrumpft dramatisch. Wenn wir unsere Wirtschaftskraft und unseren Lebensstil bewahren wollen, brauchen wir Zuwanderung – und zwar gewaltig! Zwischen 2018 und 2025 werden nicht weniger als 25 Prozent aller Arbeitnehmer bundesweit in Rente gehen – und noch ist niemand da, der sie ersetzt.

2.

Die jetzige gewaltige Flüchtlingswelle besteht aus vielen jungen und gut ausgebildeten Menschen und ihren Familien. Das einzige Hindernis zur Integration in unseren Arbeitsmarkt besteht in den fehlenden Sprachkenntnissen. Wir brauchen darum ein intensives Sprachausbildungs- und Integrationsprogramm für Flüchtlinge vom Moment der Aufnahme an. Wer deutsch spricht, ist weniger fremd. Momentan dürfen Flüchtlinge die ersten Monate nichts tun als Däumchen drehen. Das ist Unsinn! Selbst, wenn sie nach einigen Monaten unser Land wieder verlassen müssen: Einen Deutschkurs sollten sie mitnehmen dürfen.

3.

Wir sind eines der reichsten Länder der Welt mit funktionierender Infrastruktur und stabiler Gesellschaft. Wenn das kleine Jordanien (knapp 7 Millionen Einwohner) weit über eine halbe Million Flüchtlinge ganz allein stemmen kann, sollte uns das zu denken geben. Wenn man das als Maßstab nimmt, müssten wir locker sechs Millionen Flüchtlinge verkraften. Klar geht das nicht nebenher und braucht Anstrengung. Aber wer auf Staatskosten Banken und Privatvermögen retten kann und immenses Geld für auch wirklich noch den allerletzten Schmarrn übrig hat, der kann und muss auch Flüchtlinge aufnehmen. Notfalls müssen dann eben Prioritäten neu geordnet werden, denn Menschenleben und die Abwehr von Chaos und Krieg sind wichtiger als Luxus.

4.

Der Begriff „Wirtschaftsflüchtling“ ist zynisch. Denn aus welchen Gründen ein Mensch seine Heimat verlässt, sollte völlig egal sein. Klar ist: Keiner macht das gerne und ohne triftigen Grund. In einer globalisierten Welt, in der Kapital ungehindert Staatsgrenzen überqueren kann, sollte für Menschen dasselbe gelten, sonst ist der Kapitalismus wirklich nur eine andere Form der Sklaverei. Unsere Gesellschaft ist auf dem Prinzip aufgebaut, dass sich jeder durch Leistung selbst versorgen und ein gutes Leben aufbauen kann. Wer keine Leistung erbringen kann, erhält eine Grundsicherung, um nicht zu verhungern. Dieses Sozialstaatsprinzip erkauft uns die öffentliche Ordnung. Die Flüchtlinge, die nun zu uns kommen, haben tausende Kilometer auf abenteuerlichste Weise hinter sich gebracht. Man kann daher von ihrem Leistungswillen ausgehen. Dass sie irgendwem die Arbeit wegnehmen, ist nicht zu befürchten. Dazu ist unsere Gesellschaft zu sehr auf Sprach-, Fach- und Sozialkenntnisse aufgebaut. Bis die Flüchtlinge das einigermaßen gelernt haben vergehen Jahre – und den Vorsprung eines deutschen Facharbeiters in diesen Bereichen holen sie vermutlich nie auf.

Warum Deutschland Flüchtlinge aufnehmen müssen - auch Wirtschaftsflüchtlinge!

Suchbild (groß durch Klicken): Sehen Sie den „Wirtschaftsflüchtling“? Wohl kaum, denn obwohl dieser junge Mann sich sichtlich langweilt, würde er sein Land nie verlassen, wenn ihn nicht ein bärtiger Vollpfosten mit Kalaschnikow dazu zwingt.

5.

Es kommen keine Islamisten oder Kriminelle ins Land, sondern größtenteils ehrliche Leute, die vor solchen Spinnern geflohen sind. Warum ich das so sicher weiß? Weil Kriminelle und Terroristen immer schon genug Geld hatten, um jede Landesgrenze zu überqueren. Geld öffnet die Türen und sowohl die Mafia als auch die Islamistenszene haben Grenzen noch nie aufgehalten. Das Problem der jetzigen Flüchtlinge ist die Geld- und Perspektivlosigkeit. Die größte Sorge der Deutschen scheint es dennoch zu sein, dass die Sicherheit leiden wird. Das kann der Fall sein, wenn die Flüchtlinge in ihren Lagern versauern müssen, die Behörden ihren üblichen Stiefel durchziehen und der öffentliche Dienst nicht schnellstens aufgestockt wird, um Ausbildungsprogramme ins Leben zu rufen. Es muss was passieren und ich bin zuversichtlich, dass die Politik das demnächst kapiert. Sie muss es.

Flüchtlinge in Deutschland: Wir können und müssen sie aufnehmen!

Ich habe lange gezögert, Texte über Flüchtlinge in Deutschland zu schreiben. Die ganze Diskussion ist recht komplex und wird emotional bis hysterisch geführt. Man kann sich daran eigentlich nur die Finger verbrennen. Warum ich in dieser Woche nun doch eine Textreihe dazu verfasse, hat nur einen Grund: Ich habe ein bisschen Ahnung vom Thema, weil ich sechs Jahre lang hier gearbeitet habe, weltweite Flüchtlingstragödien beobachtet und Flüchtlingen in Deutschland geholfen habe. Ahnung verpflichtet, also los.

Flüchtlinge in Deutschland haben es besser als im Nahen Osten und das ist gut so!

Diese Kirche in Jordanien ist zu klein, die Flüchtlinge müssen draußen mitbeten. Das Land hat knapp 7 Millionen Einwohner, über eine halbe Million davon sind Flüchtlinge.

Viele Menschen glauben, wir könnten nicht so viele Flüchtlinge aufnehmen. Das ist verständlich, denn man muss schon diverse nicht allzu offensichtliche Fakten kennen, um zu verstehen, warum wir schon aus Eigennutz so viele Flüchtlinge – vor allem aus dem Nahen Osten – aufnehmen sollten wie nur irgendwie möglich. Eine Liste dieser Fakten gibt’s morgen hier an gleicher Stelle, also klicken Sie rein!

Moralisch haben wir diese Verpflichtung darüber hinaus, weil wir nicht genug getan haben, um das herrschende Chaos in Afrika und im Nahen Osten zu verhindern und zu unterbinden. Die treibende destabilisierende Kraft im Nahen und Mittleren Osten heißt Saudi-Arabien. Ein totalitärer Staat und unser bester Buddy in der Region. Seinen Interessen haben wir im Nahen Osten die Irak-Kriege und den Islamischen Staat sowie in Afrika Boko Haram zu verdanken. Von dort stammt das allermeiste von dem, was man heute so „Islamismus“ nennt. Weil uns die Arabische Halbinsel immer schon wichtiger war als der Rest des Nahen Ostens – Israel eingeschlossen – und weil wir zu islamophob, xenophob und wirtschaftsfixiert waren, um die realen Zusammenhänge der Region erfassen zu wollen, haben wir es zugelassen, dass die vielfältige und größtenteils friedfertige islamische Kultur von finanzstarken Fanatikern aus Saudi-Arabien und dessen Satellitenstaaten zerschlagen, gleichgeschaltet und als „radikaler Islam“ wiederaufgebaut wurde. Herzlichen Glückwunsch, lieber Westen! Die Quittung ist dieser Flüchtlingsstrom.

Die Reaktion des offiziellen Deutschland und seiner Bürger auf diese Herausforderung macht mich bisher stolz. Die großartige Begrüßung der vorwiegend syrischen Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof Anfang September und die klaren Worte von Kanzlerin Angela Merkel sind genau das Gegenteil von dem, was jeder erwartet hätte, der nur das Mediengekreische für bare Münze genommen hat. Die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte sind die dunkle Seite der Medaille. Die Täter sind in meinen Augen große Kinder, die trotz Globalisierung und (vermutlich) eigenem Auto zumindest geistig noch nie über die Gassi-Reichweite ihres Kampfhundes hinausgekommen sind. Ihre Anstifter dagegen sind unserem Verfassungsschutz bekannt. Man muss sich daher ernsthaft fragen, wieso nicht energischer gegen diesen Rechtsterrorismus vorgegangen wird. Das ist eine noch unerledigte Hausaufgabe unserer Sicherheitskräfte.

Als Christ kommt für mich noch eine weitere Dimension hinzu: Die Geschichte vom Barmherzigen Samariter und die klare Aufforderung Jesu, jedem, aber auch wirklich jedem zu helfen, der Hilfe braucht, lässt nicht den kleinsten Raum für Sprüche wie „das Boot ist voll“. Selbst wenn das wahr wäre (was es in Deutschland keinesfalls ist), hätte ich als Christ die Verpflichtung, jeden mit in meinen Rettungsring zu nehmen, der ihn braucht. Wem das zu radikal ist, den verstehe ich. Wenn derjenige sich dann aber noch „Christ“ nennt, finde ich das irgendwie inkonsequent.

Unsere täglichen Drogen gib uns heute

Neulich hab ich mir mal wieder Gedanken über das alte Thema „Legalize it!“ also den Sinn und Unsinn der Legalisierung von Cannabis gemacht und bin dabei derart abgeschweift, dass es interessant wurde.

Man braucht keine Drogen, um Dinge anders zu sehen.

„Eintritt für männliche Limbotänzer verboten.“ Kreative Menschen brauchen keine Drogen, um die Welt anders zu sehen!

Dass es rational gesehen Unsinn ist, Tabak und Alkohol zu erlauben, aber gleichzeitig Cannabis, LSD und Konsorten zu verbieten und die Nutzer damit zu kriminalisieren, ist keine Glaubensfrage, sondern eine inzwischen durch mehrere Studien belegte Tatsache. Wer das nicht glaubt, der höre einfach mal Professor David Nutt eine Stunde lang zu.

Die Verbotsfrage ist eine politische Frage, über die man sich aufregen kann oder nicht. Die Kernfrage stellt allerdings kaum einer, nämlich: „Warum brauche ich Drogen?“ Und jetzt sag bloß nicht „ich nehm keine“! Nach dem Aufstehen gibt’s erst einmal eine Tasse Kaffee. Im Büro die zweite, dritte, vierte, das macht munter. Nicht so schlimm? Genau so wenig wie Cannabis, zumindest falls Du eine Spinne bist. Denn dann fängst Du unter Koffeineinfluss viel weniger Fliegen, wie diese nette Studie belegt hat. Der Mensch tickt da anders, aber warum braucht er Drogen? Weil er ohne sie zu müde ist und unsere „böse“ Wirtschaft uns entfremdet hat?

Eine Droge ist eine Substanz, die etwas in unserem Körper verändert. In der Medizin wird diese Tatsache oft genutzt, um körperliche oder psychische Schmerzen zu lindern, Krämpfe zu lösen und zu entspannen. Aber wieso brauche ich als gesunder Mensch Drogen? Genau das habe ich einmal während einer Sendung auf Radio Horeb einen ehemaligen Heroin-Junkie gefragt. Seine Antwort hat mich überrascht:

„Jeder Drogenkonsum ist purer Egoismus“

In seinem Fall hat die Droge Heroin einen allumfassenden Lebensstil geschaffen, sie war der Mittelpunkt, um den er alles andere angeordnet hat: Freunde, Arbeit, Schlafrhythmus, alles. Warum er das tat? Langeweile, Flucht aus dem Alltag, aus dem Leben. Raus kam er da nur, indem er seinen Junkie-Lebensstil gegen einen komplett abstinenten Lebensstil eingetauscht hat. Statt Droge hat er nun Frau und Kinder, da bleibt wenig Zeit für Egoismus.

Nicht alles was schmeckt, ist gesund, sagt Mama.

Deine Drogen, meine Drogen, unsere Drogen …

Aus dieser Geschichte erspüre ich den Grund für die tägliche Droge. Es ist eine Lifestyle-Frage, dieses „das-brauch-ich-jetzt“. Der Kaffee als Stütze, um in den Tag starten zu können. Ich bin zu spät ins Bett, stehe zu früh auf, brauche-jetzt-etwas. Das tut mir nicht gut, besser wäre ein anderer Rhythmus, aber ich will nicht. Die Raucherpause: Raus aus dem Büro, in die Ecke allein oder mit Gleichgesinnten, Rauch in die Luft blasen, einen klaren Kopf kriegen, fokussiert sein. Das tut mir nicht gut, besser wäre mehr Sport und konzentriertes Arbeiten, aber ich will nicht, denn das-brauch-ich-jetzt. Ich will, dass ich mir das „besser gehn“ kaufen kann.

Und dann wundere ich mich, dass es mir nicht im Sommer mit seinen Grillabenden und Bierrunden am besten geht, sondern im Februar, in der Fastenzeit, wenn jede Droge inklusive Kaffee aus meinem Leben verbannt ist, der Sport mehr Bedeutung bekommt und das Miteinander. Hier geht’s nicht mehr die Frage, was der Staat verbieten sollte oder nicht. Hier fragt es sich nur: Was sollte ich selbst tun oder lassen?

„Ja, aber …“

Ja aber mein Job ist so stressig, ich schlafe so wenig, muss mich entspannen, es ist so gesellig, das brauch ich jetzt und Jesus hat ja auch Wasser in Wein verwandelt, um eine Hochzeit zu retten … Alles richtig und während ich diesen Text schreibe, steht neben mir ein dampfender Kaffee. Aber die Frage „warum mach ich das?“ treibt mich halt um. Ich weiß nicht, ob komplette Abstinenz die Antwort wäre. Wenn das in einen verbiesterten Lebensstil führt, wohl eher nicht. Ich weiß nur, dass es nicht heißt „unsere tägliche Droge gib uns heute“. Ein Denkanstoß, der weg führt vom moralischen Zeigefinger und näher zur Freiheit. Ob Cannabis oder Kaffee ist in dem Fall Wurst. Womit wir beim Thema „Fleisch“ wären, aber das ist eine andere Baustelle …

Gespenster und Arme Seelen: Glaub‘ ich das echt?

„Phantoms and ghosts are here by my side.“ Was Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow vor einigen Jahren so frei bekannte, dürften selbst viele Theologen eher brüsk von sich weisen. Gespenster, Phantome, übersinnliche Erscheinungen – das sind für aufgeklärte Menschen Betrügereien oder bestenfalls ein Fall für die Psychiatrie.

Doch ich glaube, jeder von uns hat schon einmal eine unerklärliche Erfahrung gemacht, etwas unheimliches erlebt. Wieso sonst sollten wir uns mit Gruselgeschichten so gut identifizieren können? Die Frage, wie wir uns das Erlebte im Nachhinein zurechterklären, soll hier mal egal sein. Denn natürlich gibt es immer wissenschaftlich einleuchtende Erklärungen für allerlei Phänomene – auch wenn diese Erklärungen wohl eher die Beobachter zufriedenstellen, als diejenigen, die so etwas selbst erleben. Mir geht es hier eher um die Frage, ob wir das Ungewöhnliche wahrnehmen und wie wir darauf reagieren (sollten).

... das sind aber keine Arme Seelen, sondern die Nahaufnahme einer Lampe.

Wenn Sie wollen, sehen Sie hier einen Geist …

Es gibt nämlich einen fundamentalen Unterschied zwischen den Helden eines Horrorromans und einem Christen. Während in einschlägigen Filmen und Büchern panisch geschrien, weggelaufen und durchgedreht wird, ist die Geschichte der Heiligen bei allen gruseligen Schilderungen doch recht unspektakulär. Und zwar deshalb, weil sie unglaublich cool blieben. Bestes Beispiel ist der heilige Pfarrer von Ars (hier eine sehr ausführliche Diplomarbeit über sein Leben). Von ihm wird berichtet, der Teufel, den er nur abschätzig „Grappin“ (= Greifer) nannte, habe ihn oft in der Nacht besucht, ihn mit kalten Klauen berührt, ihm Beleidigungen entgegengeschleudert und am Ende sogar sein Bett angezündet. Wie reagiert der Pfarrer aber darauf? „Ich hab‘ keine Zeit“, sagt er, dreht sich um und schläft weiter. Wow. Was für ein Spannungsvernichter!

Eine ähnlich lässige Art im Umgang mit übersinnlichen Dingen habe ich bei einer älteren Dame erlebt, die bis zu ihrem Tod neben mir gewohnt hat. Als ich frisch in meine damalige Wohnung eingezogen war, geschah allerlei Seltsames: Mitten in der Nacht huschte ein Licht im Flur herum, Schränke vibrierten und ich hörte jemanden meinen Namen rufen. Ich schob das Ganze als braver Akademiker auf den Umzugsstress und meine Nerven, erzählte aber doch meiner Nachbarin davon, die gerade die Fenster im Flur putzte. „Ach so, das ist nur der alte Herr Frantik, da brauchen’s sich nix denken“, sagte sie. Herr Frantik war mein verstorbener Vormieter. Ich stand wohl ziemlich perplex mit offenem Mund da, denn die nette alte Münchnerin hielt im Fensterputzen inne und sah mich belustigt an. „Ja san Sie jetzt katholisch oder net? Noch nie was von Armen Seelen gehört? Lassen’s a Messe für ihn lesen und des passt.“

Was soll ich sagen? Es passte. Nachdem ich für Herrn Frantik eine Heilige Messe bestellt und sicherheitshalber noch zusätzlich einen Priester mit dem Weihrauchfass durch meine Wohnung gejagt hatte, kam es nie wieder zu ähnlichen Phänomenen. Meine Nachbarin hingegen hatte ständig mit den „Armen Seelen“ zu tun. Sie sprach mit ihnen, betete für sie und als sie dann immer kränker wurde, sagte sie: „Herr Stiefenhofer, wenn I im Fegfeier bin, erschein ich Ihnen!“ Das war keine Drohung. Sie wollte mir damit einen Gefallen tun. Dass sie seitdem nicht mehr aufgetaucht ist, nehme ich als Zeichen dafür, neben einer Heiligen gelebt zu haben, die direkt in den Himmel zischen durfte. Genug Arme Seelen gerettet hat sie dafür auf alle Fälle.

Doch Stop! Moment! Glaub‘ ich jetzt echt ernsthaft an so was? Ich aufgeklärter, skeptischer Mensch? Also ich sag’s Ihnen ganz ehrlich: Trotz all dieser Erlebnisse hab ich immer noch das dumpfe Gefühl, dass irgendwie alles ganz anders ist … dass die Armen Seelen nicht einfach in der Gegend rumschwirren und Poltergeist spielen. Vielleicht spielt sich das Ganze ja auch nur in unseren Köpfen ab. Das ist aber im Grunde auch egal. Denn es gibt nur zwei Fragen zu klären: Glauben wir an das, was die Kirche lehrt? Und wenn ja, verhalten wir uns entsprechend? Entsprechend, das heißt: Cool wie der Heilige Pfarrer von Ars und engagiert betend wie meine Nachbarin. Denn wenn Himmel, Hölle, Fegfeuer und unsere unsterbliche Seele real sind, sollten wir das wohl schleunigst tun. Nicht dass wir am Ende noch enden wie Figuren in einem schlechten Horrorfilm …

Arme Seelen

Arme Seelen sind nach römisch-katholischer Tradition und Dogmatik Seelen im Fegefeuer, wohin sie durch die Entscheidung des Partikulargerichts (mit seiner

Arme Seelen und die Muttergottes – Fatima-Weltapostolat

Arme Seelen und die Muttergottes. 2. November 2014. Wie wirksam ist es… image_pdf · image_print. Veröffentlicht in Divers, Nachrichten. Vorheriger Beitrag Allerseelenablass gewinnen. Nächster Beitrag Unbefleckte Empfängnis, das …